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Die Bedeutung von Bargeld

Warum Münzen und Scheine nie ganz aussterben werden.

Die Bedeutung von Bargeld

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Bargeldloses Zahlen ist praktisch und geht schnell. Einfach die Bankkarte oder das Smartphone an den Scanner halten und fertig. Kein Suchen nach Kleingeld, keine Münzen die das Portemonnaie beschweren und stets ausreichend Geld zur Hand. Es spricht also viel für das Digital Payment, doch zahlt ein Großteil der Deutschen immer noch bevorzugt mit Bargeld. Eine Vorliebe, die aus Sicht anderer Länder wie Dänemark und Schweden geradezu nostalgisch wirkt. Doch woran liegt es, dass Bargeld weiterhin anhaltend beliebt ist (und das nicht nur in der Bundesrepublik). Warum ist der bereits vor Jahren angekündigte Tod von Schein und Münze bis heute nicht eingetreten?

Die Deutschen und ihr Bargeld: die Macht der Gewohnheit?

Laut dem Magazin „Wirtschaftswoche“ scheint es vor allem eine Sache der Gewohnheit zu sein, die speziell die Deutschen am Bargeld festhalten lässt. Besonders Kleinstbeträge werden bar gezahlt. Kaum jemand kommt auf die Idee die Zeitschrift am Kiosk, das Brötchen beim Bäcker oder das Feierabendbier per Karte zu begleichen. Zwar wird die Bezahllandschaft digitaler und immer mehr Händler und Dienstleister bieten bargeldlose Zahlungsmöglichkeiten an – in Anspruch genommen werden diese jedoch erst bei höheren Beträgen. 

Die Macht der Gewohnheit kann aber nur ein Teil der Wahrheit sein. Auch andere lieb gewonnene „Rituale“ wurden im Zuge der neuen digitalen Möglichkeiten fallengelassen. So hat das E-Paper der gedruckten Tageszeitung inzwischen weitestgehend den Rang abgelaufen. Der obligatorische 20.15 Uhr Termin für das abendliche Fernsehprogramm ist in Zeiten von Netflix und Co kaum noch ein Thema und obwohl wir es gewohnt waren mit Filmrolle zu fotografieren, sind analoge Kameras heute nur noch etwas für Liebhaber. Die Umstellung geschah schneller als vermutet, denn die Vorteile der neuen Technik waren einfach zu überzeugend.

Bargeld schlägt Bequemlichkeit

Anders verhält es sich beim Bargeld. Hier werden Kleinstgeld, volle Geldbörsen und Verzögerungen beim Kassiervorgang weiterhin in Kauf genommen. Es scheint so, als würde Münze und Co. eine Bedeutung zugesprochen, die über der Bequemlichkeit des Digital Payment hinaus geht. Liegt es vielleicht daran, das Geld per se etwas Abstraktes ist? Es stellt die Grundlage unseres modernen Lebens dar, doch wird sein Wert von jedem anders beurteilt. Manche stellen es ins Zentrum ihres Tuns, andere sehen es nur als Mittel zum Zweck. Der eine hat viel, ist jedoch unzufrieden, der andere besitzt wenig, lebt aber ein erfülltes Leben.

Bargeld und die Philosophie des Wertes 

Der Wirtschaftsphilosoph Karl-Heinz Brodeck brachte die Frage des Wertes auf den Punkt: „Wenn man glaubt, es gäbe so etwas wie Wert hinter dem Geld, dann erliegt man einer Illusion, die gerade in Krisen enttäuscht wird“.

Geld hat demnach genau den Wert, den wir ihm zusprechen. Wir vertrauen darauf, dass wir im Tausch für Scheine, Münzen oder digitale Währungen eine Gegenleistung erhalten. Im Grunde ist Geld deshalb nichts anderes als bedrucktes Papier. Ein Tauschobjekt, so wie Muscheln, bunte Perlen oder verzierte Steine. Das Gleiche gilt für das Zahlen ohne Bargeld (bei dem das Objekt auf die bloße Zahl reduziert wurde) – und sogar für den Kassenbon.

Die meiste Zeit werden Bons als lästig angesehen. Erwirbt man jedoch ein Produkt, das eine Gewährleistung beinhaltet, wird der Kassenzettel plötzlich zum gefragten Tauschobjekt. Ohne ihn ist es fast unmöglich, etwas umzutauschen oder einen Ersatz bzw. eine Reparatur einzufordern. Plötzlich hegt und pflegt man den sonst ungeliebten Zettel. Trotzdem halten viele nicht lange durch. Das Thermopapier verblasst oder der Bon geht verloren. Abhilfe schaffen digitale Möglichkeiten, wie der elektronische Kassenzettel, den die App admin mitbringt. Dadurch, dass der Beleg auf dem Smartphone gespeichert wird, ist er unbegrenzt haltbar. 

Objekten muss also ein Wert zugeordnet werden, damit mit ihnen gehandelt werden kann – ganz gleich ob Geld, Kassenbon oder Bitcoin. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, dass das Bargeld bei der Wertigkeit die Nase vorn hat. Ihm wird mehr vertraut als der puren Zahl auf der Bank. In Krisen gilt zumeist „Nur Bares ist Wahres“. Warum? Ganz einfach: Mit Münzen und Scheinen sind überall und jederzeit Einkäufe möglich – im Supermarkt, beim fliegenden Händler und an der Straßenecke.

Bargeld macht Kosten greifbar

Ein weiterer Vorteil von Bargeld ist, dass man nur ausgeben kann, was man in der Tasche hat. Ist das Portemonnaie leer, ist der Geldhahn versiegt. Minusausgaben sind nicht möglich. Der Bezug zum Wert der Geldbörse ist ein ganz anderer, als der zum Bankkonto. Beim digitalen Bezahlen ist man eher geneigt, ins Minus zu gehen. Zwar zahlt man dafür Zinsen, doch werden diese oft ausgeblendet. Wer einen Betrag nur in Form von Zahlen vor sich hat, das Ausgegebene nicht greifen oder sehen kann, gibt unbeschwerter Geld aus. Das gilt auch für das, was man nicht hat. Dies ist einer der Gründe, warum mit der Beliebtheit des Digital Payment die Zahl, derer steigt, die sich überschulden.

Bargeld oder digital Payment: Wahlfreiheit ist ein Bürgerrecht

Vieles spricht also für Bargeld, ebenso viel jedoch auch für das Digital Payment. Beide Zahlungsarten haben ihre Daseinsberechtigung. Und auch wenn immer mehr Menschen die Möglichkeiten des digitalen Bezahlens wahrnehmen, werden Münzen und Scheine entgegen anderslautender Prognosen niemals ganz verschwinden. Dazu hängen die Menschen viel zu sehr an ihnen, dafür repräsentieren sie zu stark die persönliche Wahlfreiheit. Auch eine generelle Begrenzung von Geschäften mit Bargeld auf solche bis zu maximal 5000 Euro wird von Experten kritisch gesehen. Dies sei ein „Eingriff in die Freiheit des Bürgers“ erklärt das Beratergremium des Wirtschaftsministeriums. Selbst Länder wie Schweden, das eine Vorreiterrolle bei der Forcierung des digitalen Zahlungsverkehrs einnimmt, ziehen sich von der Idee, Bargeld komplett abzuschaffen, zurück. So weist Stefan Ingves, Chef der schwedischen Nationalbank, darauf hin, dass Bargeld in schwierigen Zeiten ein stabiles Zahlungssystem sein. Es gilt also beim Geld ein ausgewogenes Verhältnis von analog und digital zu finden, sodass jeder die Möglichkeit hat, die Form zu wählen, die zu ihm passt.

Quellen:

1. https://www.wiwo.de

2. https://www.welt.de

3. https://www.deutschlandfunk.de