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Bisphenol S – die versteckte Gefahr

Bisphenole sind gefährlich für den Menschen und die Umwelt. Leider werden die gefährlichen Substanzen beim Diskurs um wichtige Gesundheits- und Umweltfragen stark vernachlässigt.

Bisphenol S – die versteckte Gefahr

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Wir sind Tag für Tag von ihnen umgeben: Bisphenole. Sie stecken in (Lebensmittel-) Verpackungen, Plastikflaschen, Babyschnullern, Saugern und in vielen anderen Produkten. Denn sie sind der Grundbestandteil des Kunststoffes Polykarbonat, aus dem die meisten Produkte unseres modernen Lebens bestehen. Das Problem ist, dass die Chemikalien im Verdacht stehen Krebs zu erregen und ab einer bestimmten Konzentration zur Unfruchtbarkeit führen. Diese kritischen Konzentrationen werden schnell erreicht, denn der Körper nimmt die Bisphenole über Hautkontakt auf. Nun scheint es als einfache Lösung schlichtweg auf Kunststoffe zu verzichten oder auf Alternativen umzusteigen, die frei sind von den gesundheitsgefährdenden Stoffen. Das ist jedoch nicht so einfach, denn sie verstecken sich auch dort, wo man es nicht vermutet – zum Beispiel in Parkscheinen oder Kassenzetteln, wo Bisphenole als Entwickler dienen.

Einsatz von Bisphenol S hat sich verdoppelt

Eine unsichtbare Gefahr, mit der die EU den Verbraucher nicht alleine lassen will. Deshalb wird Bisphenol A (BPA) ab 2010 verboten. Ein erster Schritt in die richtige Richtung, der jedoch nicht ausreicht, denn auch andere Varianten der chemischen Verbindung sind gesundheits- und umweltschädlich – wahrscheinlich sogar noch kritischer. So wie Bisphenol S (BPS), das erst seit Kurzem im Fokus aktueller Untersuchungen steht. Dass gerade BPS für so viel Unruhe in Fachkreisen sorgt, liegt daran, dass viele Hersteller es als Ersatz für das bald verbotene BPA verwenden. Laut einer Studie der ECHA (European Chemicals Agency) hat sich der Einsatz von Bisphenol S von 2016 auf 2017 verdoppelt. Zwar gibt es unbedenkliche Entwickleralternativen, aber es scheint, als würden die Produzenten der Thermopapiere es sich einfach machen und lieber ein gefährliches Mittel durch ein anderes ersetzen. Mit dem ausschließlichen Verbot von BPA hat die EU ebenso schlimmen Alternativen Tür und Tor geöffnet. Die ECHA geht davon aus, dass BPS ähnlich schädliche Wirkungen auf die Gesundheit hat wie BPA. Welche genau, das wird zurzeit versucht, so schnell wie möglich zu ermitteln.

Studien zeigen: Bisphenol S schädigt das Erbgut

Forscher der University of California in Los Angeles konnten während eines Experiments an Fischen bereits jetzt nachweisen, dass Bisphenol S durch seine hormonähnliche Wirkung die Entwicklung der Embryonen und Larven ebenso negativ beeinflusst wie BPA. Dazu gehören das Verkümmern von Keimzellen, das verfrühte Absterben von Embryonen und weitere Gendefekte. Darüberhaus konnten die Wissenschaftler Veränderungen im Östrogensystem und bei den Schilddrüsenhormonen erkennen. Zu gleichen Ergebnissen kamen sie bei Versuchen an Fadenwürmern, die einer ähnlich hohen Konzentration an Bisphenol S ausgesetzt waren, wie sie auch im Blut von Menschen nachgewiesen wird. Selbst geringere Dosierungen führten zu ähnlichen Ergebnissen.

Verstecktes Bisphenol S: Label „BPA-frei“ bietet keine Sicherheit!

Was also tun? Zunächst sich selbst schützen, denn es ist momentan nicht abzusehen, dass die EU das Verbot von BPA kurzfristig um weitere Bisphenole erweitern wird. Der Verzicht auf Produkte aus Polykarbonat ist ein Anfang. Dabei ist zu beachten, dass auch Produkte die mit dem Label „BPA-frei“ ausgezeichnet sind, keine Sicherheit bieten. Denn in vielen steckt stattdessen BPS. Zudem sollte man den Kontakt zu Thermopapieren soweit wie möglich vermeiden. Besonders Schwangere und Kinder sind gefährdet. Aber auch Menschen, die tagtäglich in Kontakt mit dem Papier kommen sind in Gefahr, so wie Verkäufer und Kassierer. Deshalb starteten die Mitarbeiter der Kette Zara kürzlich eine Petition, in der sie verlangten, dass das Unternehmen die bisherigen Papiere durch solche ohne Bisphenol S ersetzt. 

Umstieg auf digitale Kassenzettel als wirksamer Schutz

Welche Bisphenole noch und in welcher Art schädlich sind, ist bisher nur grob umrissen. Um dies zu ermitteln, bedarf es langwieriger Untersuchungen. Ein generelles, uneingeschränktes Verbot von Bisphenolen wäre deshalb der einzige Schritt der einen wirksamen Schutz gewährt. Eine weitere Möglichkeit ist der Umstieg von gedruckten auf digitale Kassenzettel. Diese werden auf dem Smartphone gespeichert und bieten alle Vorteile des konventionellen Kassenbelegs. Ein Beispiel hierfür ist die App admin. Einfach in der Anwendung, löst admin nicht nur das Problem des gesundheitsschädlichen Kassenzettels, sondern bietet Händler und Endverbraucher noch viele weitere Vorteile. Aus dieser Perspektive gesehen wäre also nicht nur das generelle Verbot von Bisphenolen eine Lösung. Auf vielen Ebenen effektiver wäre die vollständige Abkehr vom gedruckten Kassenzettel. Eine Vision, die gelingen kann, denn die technischen Voraussetzungen sind durch die Möglichkeiten der Digitalisierung längst vorhanden.

Quellen:

https://echa.europa.eu/de/-/bpa-being-replaced-
by-bps-in-thermal-paper-echa-survey-finds

https://journals.plos.org/plosgenetics/article/file?id=10.1371/journal.pgen.1006223&type=printable