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Bäcker wehren sich gegen die allgemeine Bonpflicht

Kassenbons beim Bäcker sind bisher unüblich, werden ab 2020 jedoch Pflicht – auf Kosten kleiner Betriebe und der Umwelt.

Bäcker wehren sich gegen die allgemeine Bonpflicht

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Ein Berg Papier stapelt sich vor einem Bäckertresen. Eine Endlosschleife, wie es scheint, denn die Kasse spuckt weitere Zettel aus. Dieses Bild stammt aus NRW und wurde vor einigen Wochen von Michael Tenk auf die Facebook-Seite seines Unternehmens gestellt. Die Aufnahme soll die Auswirkungen der neuen Belegpflicht zeigen, die 2020 in Kraft tritt. Dadurch müssen künftig auch Kassenbons beim Bäcker ausgestellt werden.

Kassenbons beim Bäcker nur auf Verlangen: Nachahmen erwünscht!

Seit bekannt werden der Regelung geht ein Aufschrei durch die Branche, denn Bäckereien gehören zu den Anbietern, die Kassenzettel nur auf Verlangen ausdrucken. Da dort lediglich Kleinstbeträge aufgerufen werden, ist dies einfach nicht nötig und vom Verbraucher auch nicht gewollt. Ähnliches gilt für Eisdielen beim Verkauf der Kugel Eis „auf die Hand“. Damit sind diese Unternehmen anderen in Sachen Nachhaltigkeit einen großen Schritt voraus, denn meistens landen die Bons direkt im Mülleimer. Gebraucht werden sie nur, wenn man das gekaufte Produkt später umtauschen oder seine gesetzliche Gewährleistung in Anspruch nehmen möchte. Etwas, was bei Brötchen, Brezel, Kuchen und Co. eher selten vorkommt.

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Kassenbons beim Bäcker: In Zeiten von Fridays for future nicht zeitgemäß

Somit haben die Kassenbons beim Bäcker nicht viel mehr Sinn, als dass sie eine lästige Begleiterscheinung des „Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen“ ¹ sind. Die Verordnung soll Steuerbetrug verhindern, sorgt damit jedoch für einen hohen bürokratischen Aufwand, zusätzliche Kosten und Müll. Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hat dafür kein Verständnis. Wir reden über Umweltschutz und diskutieren über die Reduktion von Coffee-to-go-Bechern, schaffen dann aber auf der anderen Seite Müllberge aus beschichtetem Papier. Das ist reaktionär und in Zeiten von Fridays for future nicht zeitgemäß“, so Schneider. 

Statt Coffee-to-Go-Becher setzen viele Bäcker inzwischen auf den Refill von Mehrwegbechern, verwenden nur noch Papiertüten und verzichten soweit es geht auf Plastik. Doch während immer mehr Kunden ihre eigenen Brotbeutel mitbringen, werden mit der Ausgabe von Kassenbons beim Bäcker laut Schätzung der Bäckerinnung künftig fünf Milliarden Zettelchen aus gesundheitsschädlichem Thermopapier jährlich produziert. Der Einzelhandelsverband HDE schätzt weit weniger vorsichtig und stockt diese Zahl um mehr als zwei Millionen Kilometer auf. „Das wird völlig überflüssige Müllberge produzieren“, ist Daniel Schneider überzeugt.

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Ausnahmen sind möglich, Ministerium will trotzdem Kassenbons beim Bäcker

Laut Verband sieht das Gesetz Ausnahmen vor, diese würden vom Bundesministerium der Finanzen jedoch zu streng ausgelegt, sodass bisher kein Handwerksbäcker befreit wurde. Ein weiteres Problem liegt darin, dass es die vorgeschriebenen technischen Sicherheitseinrichtungen (TSE) noch nicht gibt. Diese sollen nachträgliche Veränderungen in den Daten verhindern. Allerdings gibt es diese TSE-zertifizierten Kassen bisher noch nicht. Trotzdem müssen Belege ausgegeben werden. Michael Wippler, Präsident des Zentralverbands des Bäckerhandwerks, fasst den Zwang des Ausstellens eines Kassenbons beim Bäcker wie folgt zusammen: „(…) man (muss) sich vor Augen halten, wie viel Müll und Bürokratie nun ein kleines Brötchen verursacht, das innerhalb weniger Minuten aufgegessen wird.“ ²

Was also tun? Einerseits darauf hoffen, dass die Finanzbehörden ein Einsehen haben und die Befreiungsmöglichkeit sinnvoll anwenden. Das bedeutet, dass sie Bäckereien, Eisverkäufern, Kiosken und Co. Ausnahmeerlaubnisse erteilen. Denn diese Unternehmen verkaufen ihre Waren nach § 148 AO an eine Vielzahl von nicht bekannten Personen. ³ Außerdem bringt die durch die Steuergesetze begründeten Buchführungs-, Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten Härten mit sich. Eine Besteuerung der Unternehmen wird durch die Erleichterung zudem nicht beeinträchtigt.

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Die Lösung: Kassenbons beim Bäcker digital ausstellen

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit sich nach Alternativen zu den gedruckten Kassenbons beim Bäcker umzusehen. Eine solche ist die Kassenzettel-App admin, die unkompliziert in das vorhandene Kassensystems integriert werden kann. Hinzu kommen ein NFC-Scanner sowie eine App, die sich der Kunde auf sein Smartphone laden kann. So ausgestattet kann jeder Bon direkt auf das Smartphone gesendet werden. Dadurch, dass es der Gesetzgeber freistellt in welcher Form der Beleg ausgegeben werden muss – ausgedruckt oder digital – ist admin eine adäquate, günstige und einfach umzusetzende Lösung für das Problem der Kassenbons beim Bäcker.

Quellen:

1. https://newsroom.adminapp.de

2. https://www.baeckerhandwerk.de

3. http://dip21.bundestag.de

4. https://www.steuertipps.de