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Das starke Bevölkerungswachstum – die Wurzel allen Übels?

3. Mai 2021 Lesezeit ca. 4 Min.
Menschenmasse auf einem Zebrastreifen - ist das Bevölkerungswachstum kritisch für unser Klima?

Das starke Bevölkerungswachstum – die Wurzel allen Übels?

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Heute haben wir den 31.03.2021 und auf der Erde leben gemäß der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung 7.857.941.530 Menschen. Vor 50 Jahren waren es nur 3,7 Milliarden – also ungefähr die Hälfte! Derzeit wächst die Weltbevölkerung jedes Jahr um rund 80 Millionen Menschen, was der Bevölkerungszahl Deutschlands entspricht. Gemäß Schätzungen der UNO werden im Jahr 2100 zwischen 9,7 und 12,7 Milliarden Menschen leben.

Generell scheint der Zusammenhang der steigenden Bevölkerungszahlen globalen Problemen logisch. Mehr Menschen bedeutetet zwangsläufig auch ein höherer Bedarf an Ressourcen wie Land, Nahrung und Wasser. Zusätzlich hat jeder Einzelne einen CO2-Fußabdruck. Doch tatsächlich ist es sehr bequem gedacht, die Ressourcenknappheit und den Klimawandel mit der steigenden Weltbevölkerung zu entschuldigen. Oft geht da der Blick in ärmere Länder, in denen die Geburtenraten noch immer deutlich höher sind als beispielsweise hier in Deutschland. Man darf aber nicht aus den Augen verlieren, dass der CO2-Ausstoß in den reichsten Ländern der Welt 50 Mal höher ist als in den ärmsten Ländern. Es ist daher sehr engstirnig gedacht, dass das Problem ein Anderer sein muss und das eigene Umdenken daher zwecklos wäre.

Was das Klima mit Rassismus zu tun hat

Natürlich darf das Bevölkerungswachstum dennoch im Zusammenhang mit der Klimadebatte nicht unbeachtet gelassen werden. Allerdings sprechen wir bewusst von Bevölkerungswachstum und nicht von „Überbevölkerung“. Der wortwörtliche Gedanke der Überbevölkerung ist fehlleitend, da es sich nicht um eine Platzproblem auf der Erde handelt, sondern eher um eine falsche Verteilung der vorhandenen Ressourcen. Die Vorstellung, dass auf der Erde zu viele Menschen leben und es besser wäre, wenn es weniger wären, wird oft von Rechtsextremen instrumentalisiert. So begründeten die rechtsextremen Terroristen in El Paso und Christchurch ihre Taten mit einer Angst vor einer vermeintlichen Überbevölkerung. Dabei richten sie sich ausschließlich gegen die ärmeren Nationen und nie gegen die eigene.

Doch auch diverse Regierungen führten Maßnahmen zur Regulierung des Bevölkerungswachstums ein – meist zum Nachteil marginalisierter Gruppen. So führt beispielsweise Indien Zwangssterilisationen an Männern und Frauen der ärmeren Schichten durch. Allein im Jahr 2014 starben 15 Frauen in einem der Sterilisationscamps. Auch hinter der „Ein-Kind-Politik“ in China stehen unzählige Schicksale. Im Jahr 2016 wurde zwar immerhin die Zwei-Kind-Politik eingeführt, doch an den staatlichen Maßnahmen hat sich nicht viel geändert. Die Bestrafungen für die Geburt „unerlaubter“ Kinder wird mit fehlender staatlicher Förderung, Arbeitsplatzverlust der Eltern oder sogar Zwangssterilisationen geahndet. Die Folgen für die ganze Gesellschaft werden aber immer offensichtlicher: Die Bevölkerung Chinas wird immer älter, es fehlen junge Arbeitskräfte und ein Überschuss an Männern nimmt weiter zu.

Die Dächer einer Großstadt - erzeugt das Bevölkerungswachstum ein Platzproblem?

Der Grund für die knappen Ressourcen

Der ökologische Fußabdruck der Industrienationen zeigt: Das Problem sind nicht die Geburtenraten in Afrika, sondern unser Umgang mit Ressourcen. Würde jeder Mensch so leben wie wir in Deutschland, dann bräuchten wir schon jetzt drei Erden. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Ressourcen liegt in den Industrienationen bis zu viermal höher als in weniger entwickelten Ländern. Tatsächlich könnte man beispielsweise schon jetzt genug Kohlenhydrate für 12 Milliarden Menschen produzieren – wenn sie richtig verteilt werden würden.

Die Konsequenzen des Bevölkerungswachstums für das Klima dürfen dennoch nicht völlig unbeachtet bleiben. Jede Gewinnung, Aufbereitung und Nutzung von Rohstoffen hat Auswirkungen auf die Umwelt. Jede zusätzliche Mensch auf der Erde hat selbstverständlich einen gewissen Bedarf an Ressourcen und erhöht so die Nachfrage an Rohstoffen. Doch schon jetzt übersteigt der Bedarf teilweise die Regenerationsfähigkeit der Natur. Daher ist es aufgrund des weiter steigenden Bevölkerungswachstums umso wichtiger, sich des eigenen Konsums bewusst zu sein.

Wie lange wächst die Bevölkerung noch?

Natürlich wird die Bevölkerung nicht für immer weiter in diesem Tempo anwachsen. Tatsächlich stagniert die Bevölkerung auf der Nordhalbkugel aufgrund der geringen Geburtenraten bereits und es zeichnet sich sogar teilweise ein Rückgang ab. Auch wenn die Bevölkerung auf der Südhalbkugel weiter stark ansteigt, flacht der Anstieg deutlich ab. Ersten Hochrechnungen zufolge könnten bis zum Jahr 2200 nur noch 3 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Doch woher kommt der Rückgang der Geburtenraten?

Generell haben die Länder, in denen die Geburtenraten schon jetzt sehr niedrig sind, vier verschiedene Phasen gezeigt. In der ersten Phase sind sowohl die Geburten- als auch die Todesrate sehr hoch. Es werden viele Kinder geboren, doch aufgrund der schlechten Gesundheitsversorgung erreichen nur wenige das Erwachsenenalter. Daher gibt es trotz einer hohen Geburtenrate keine Bevölkerungszunahme. Zu Beginn der zweiten Phase haben sich die Lebensbedingungen und das Gesundheitssystem verbessert, weswegen es zu einer natürlichen Zunahme der Bevölkerung kommt. In der dritten Phase pendeln sich die neuen Verhältnisse ein und die Geburtenrate nimmt ebenfalls ab, weswegen der Anstieg verlangsamt wird. In der vierten Phase, in der sich die westlichen Länder derzeit befinden, sind Geburten- und Todesrate gleichermaßen gering

Das Erreichen der vierten Phase geht einher mit einem höheren Bildungsstandard, einem vertrauenswürdigen Gesundheitssystem und einer stabilen Wirtschaft. Das Schaffen sicherer Arbeitsplätze ist wichtig, damit die Geburt vieler Kinder als Altersvorsorge nicht mehr nötig ist. Der Hauptgrund für die Abnahme der Geburtenraten ist die weltweit zunehmende Bildung der Frauen. Sobald die Frauen Zugang zu Bildung haben und finanziell unabhängig sind, haben sie die Wahl, ob und wie viele sie Kinder bekommen möchten

Es darf aber nicht unbeachtet bleiben, dass auch der nachhaltigste Mensch einen Lebensraum und Ressourcen benötigt. Darum sollte jeder von uns den eigenen Konsum hinterfragen und einen nachhaltigeren Lebensstil anstreben.

Klimaaktivist mit Schild "Support your local planet" - das Bevölkerungswachstum macht ein Umdenken jedes Einzelnen nötig
Foto: Mika Baumeister

Quellen:

https://www.quarks.de/gesellschaft/wie-die-ueberbevoelkerung-gebremst-werden-koennte/

https://www.quarks.de/gesellschaft/weltbevoelkerung-gibt-es-zu-viele-menschen/

https://www.dw.com/de/überbevölkerung-klima-fertilität-fruchtbarkeit-geburtenrate/a-54729749

https://www.augsburger-allgemeine.de/kultur/Journal/Die-Menschheit-waechst-nur-noch-bis-zum-Jahr-2064-id57792316.html

https://www.tagesspiegel.de/wissen/weltbevoelkerungskonferenz-ich-finde-den-begriff-ueberbevoelkerung-sehr-fehlleitend/25219826.html

https://www.spiegel.de/panorama/ueberbevoelkerung-was-rassismus-sexismus-und-die-klimakrise-damit-zu-tun-haben-a-9b911d60-d6ff-4dfc-a807-398e6aab61d7

https://www.bpb.de/gesellschaft/migration/kurzdossiers/168592/bevoelkerungswachstum-und-migration

https://www.tagesspiegel.de/wissen/bildung-ernaehrung-umwelt-welche-folgen-das-bevoelkerungswachstum-hat-und-wie-es-bekaempft-werden-kann/25218444.html

https://www.umweltnetz-schweiz.ch/themen/bildung/3397-zu-viel-des-menschen.html

https://www.cwac.net/bevoelkerungswachstum/

https://www.sueddeutsche.de/wissen/ueberbevoelkerung-wie-viel-bevoelkerungswachstum-verkraftet-die-erde-1.3842489-3

https://www.sueddeutsche.de/politik/ueberbevoelkerung-wir-werden-viel-zu-viele-1.3180810-2

https://causa.tagesspiegel.de/kolumnen/michael-broening-1/klimapolitik-reden-wir-auch-ueber-das-bevoelkerungswachstum.html

https://www.moment.at/story/klimakrise-warum-bevoelkerungswachstum-nicht-das-problem-ist

https://www.youtube.com/watch?v=1Q76na-m8s0

https://www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/ressourcennutzung-ihre-folgen

https://www.blackrock.com/ch/privatanleger/de/themen/megatrends/klimawandel-und-ressourcenknappheit