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Welche Zutaten braucht es, um den digitalen Kassenzettel salonfähig zu machen?

Als Professor für Betriebswirtschaftslehre lehrt Prof. Dr. Andreas Gadatsch an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Zu seinen Spezialgebieten gehören das Innovations- und Informationsmanagement sowie die Themen Digitalisierungsstrategien und Softwaremanagement.

14. August 2019 Lesezeit ca. 4 Min.
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Welche Zutaten braucht es, um den digitalen Kassenzettel salonfähig zu machen?

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Neben seinen Aufgaben in Forschung und Lehre ist Prof. Dr. Andreas Gadatsch außerdem als Berater aktiv. Privat beschäftigt sich der Digitalisierungsexperte stark mit dem Thema Nachhaltigkeit und ernährt sich seit Jahren vegan und verzichtet auch sonst wo es geht auf Tierprodukte. In folgendem Statement nimmt er im Rahmen seiner Kernthemen Bezug auf das digitale Quittieren, analysiert dessen Zukunftspotenzial und gibt Tipps, was das richtige Rezept beinhalten muss, um den digitalen Kassenbon dauerhaft erfolgreich zu machen.

„Die Ausstellung eines Bons frisst Zeit. In manchen Geschäften wird er sogar noch handschriftlich geschrieben, was den gesamten Vorgang noch mehr verlängert“, weiß Gadatsch aus eigener Erfahrung. So sei der klassische Quittungsblock vor allem in kleinen Geschäften und Handwerksbetrieben immer noch gelegentlich anzutreffen. „Ich kenne das schon und warte geduldig, denn ich sammle und verwahre alle meine Kassenzettel“. Eine sinnvolle Alternative zu dem Zettelchaos befürwortet er deshalb auch aus persönlicher Sicht. „Mein Portemonnaie ist immer voll: voll mit Quittungen. Bargeld habe ich dagegen nur selten dabei“. 

Illustration von Andreas Gadatsch

Der digitale Kassenzettel trifft den Zeitgeist

Die Idee eines digitalen Kassenzettels findet er zeitgemäß. „Sie passt gut in den Zeitgeist, vereint die Bereiche Digitalisierung, Umwelt und Nachhaltigkeit“. Es würden echte Mehrwerte geschaffen, denn der Vorgang des Quittierens wird nicht nur einfach deshalb automatisiert, weil es möglich ist, sondern um den (Arbeits-) Alltag effektiv zu erleichtern. Außerdem könne Papier eingespart werden, wobei speziell Thermopapier mit seinen gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen ein Problem darstellt.

Einen weiteren positiven Effekt sieht der Wissenschaftler im Bereich der Buchführung. „Die auf Thermopapier gedruckten Belege überstehen die Aufbewahrungsfrist von 10 Jahren nicht, da sie unlesbar werden“. Digitale Belege dagegen könnten jederzeit wieder aufgerufen werden. Dennoch glaubt der Innovations- und Informationsexperte nicht, dass die Kassenrolle komplett abgeschafft wird, zumindest nicht in den nächsten Jahren. Es gäbe immer Menschen, die eine haptische Option neben der digitalen fordern.

Dass es nicht selten ist, dass Digitalisierung und altbekannte Strukturen gleichberechtigt nebeneinander existieren, beschrieb Andreas Gadatsch in seinem Buch „IT-Controlling“ und in wenigen Monaten in einer Special Edition für den Öffentlichen Dienst. Im Bereich der Verwaltung ist es demnach normal zweigleisig zu fahren, was bedeutet, die verschiedenen Dienste analog und digital anzubieten. Viele Bürger nutzen bereits heute Online-Dienste, soweit sie angeboten werden, andere bevorzugen jedoch den klassischen Weg. Die vollständig digitale Öffentliche Verwaltung dürfte also eher eine Vision sein, als ein realistisches Ziel.

Das digitale Quittieren mit Mobile Payment kombinieren

Um das digitale Quittieren im Alltag und den Köpfen der Verbraucher dauerhaft zu verankern, betrachtet Gadatsch die Kombination mit dem Mobile Payment am zielführensten. „Es hätte einen Schlüsseleffekt, wenn man den digitalen Kassenbon gleich in Mobile Payment Dienste wie zum Beispiel Apple Pay integrieren könnte. Bezahlen und quittieren also in einem Ablauf stattfinden. Dann wäre die Akzeptanz am höchsten“. Generell sei für den Nutzer ein positiver Effekt spürbar, wenn das Ganze einfach und sicher zu handhaben sei. Trotzdem müsse man sich auch Gedanken darüber machen, ob Bargeldnutzer den digitalen Kassenbon ebenso gut annehmen würden.

Auch die Integration in Smartwatches betrachtet Gadatsch als sinnvoll. „Immer mehr Menschen gehen ohne Portemonnaie und Smartphone aus dem Haus, da Smartwatches inzwischen auch eine Bezahlfunktion besitzen“. Generell sei es eine Überlegung wert, alle digitalen Endgeräte mit der Möglichkeit des digitalen Quittierens auszustatten, denn „die jüngere Generation mag kein Papier“, so Gadatsch. Dass der Dienst plattformübergreifend funktioniert, müsse selbstverständlich sein.

Dies bietet zum Beispiel admin. Die App für digitale Kassenzettel kann ganz einfach im Appstore (IOS) / Playstore (Android) heruntergeladen und auf das eigene Smartphone installiert werden. Nach einer einmaligen Registrierung wird die Quittung per NFC-Übertragung empfangen. Bei der Registrierung wird kein Nutzerprofil angelegt, die Daten jedoch in einer Cloud sicher und gegen Einblicke von außen geschützt, verwahrt. Dies kommt einem weiteren Punkt entgegen, den Andreas Gadatsch als essenziell empfindet, um dem Nutzer das digitale Quittieren schmackhaft zu machen: das Thema Datenschutz.

Prof- Dr. Andreas Gadatsch mit seinem Hund

Datenschutz und Zeitvorteil: Verbraucher wägt Wichtigkeit individuell ab

Der Erfolg des digitalen Kassenbons hängt laut dem Professor für Wirtschaftsinformatik auch am Thema Datenschutz. „Für den Verbraucher ist das ein großes Thema. Es wird kritisch hinterfragt was mit den gespeicherten Daten passiert, wo sie gespeichert werden und wer darauf Zugriff hat“. Antworten auf diese Fragen sind auch Andreas Gadatsch persönlich wichtig, weshalb er selbst keine Paybackkarten verwendet. „Damit werden nur Daten gesammelt“.

Bequem soll der Dienst also sein, jedoch nicht datenkritisch. Die Erfahrung zeige jedoch, dass der Standardkunde auf letztgenannten Punkt weniger Wert lege, wenn das System einen deutlichen Zeitvorteil verspreche. „Ich bin davon überzeugt, dass das digitale Quittieren sich irgendwann durchsetzen wird, da es eindeutig nützlich ist. Allerdings wird es wohl noch ein paar Jahre dauern, bis wir soweit sind“. Dabei muss Gadatschs Meinung nach auch der Handel aktiv mithelfen, zum Beispiel indem das neue Angebot gut sichtbar platziert wird. „Der Kunde muss sehen, dass es den Dienst gibt, beispielsweise durch Werbung oder zusätzliche Benefits“.

https://www.springer.com/de/book/9783834824295