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Der Kollaps der Wälder: Ein Klima-Kipp-Punkt

10. März 2021 Lesezeit ca. 3 Min.
Sich überkreuzende grüne Bäume im Amazonas-Regenwald - der Kollaps der Wälder hätte verheerende Folgen für die Erde

Der Kollaps der Wälder: Ein Klima-Kipp-Punkt

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Viele nehmen an, dass der Klimawandel ein langsamer und eher schleichender Prozess ist. Doch sogenannte Klima-Kipp-Punkte könnten dafür sorgen, dass sich das Klima sehr plötzlich und radikal ändert. Es sind Schwellen, die nach dem Übertreten den Klimawandel zu einem unaufhaltsamen und irreversiblen Prozess machen. Zu einem dieser Klima-Kipp-Punkte gehört die Zerstörung der Wälder und ihrer Böden. Dies trägt derzeit zu 15% zu den von Menschen verursachten Treibhausgasen bei.

Die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes

Der Amazonas-Regenwald ist das größte tropische Regenwaldgebiet der Erde. Etwa 10% der weltweiten biologischen Vielfalt ist hier heimisch und auch viele indigene Völker leben in diesem Areal. Doch nicht nur lokal hat der Amazonas-Regenwald eine große Bedeutung. Die Bäume binden CO2 aus der Luft und geben Sauerstoff ab – geschätzt 80 bis 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff sind hier gespeichert. Etwa ein Viertel des weltweiten Kohlenstoffaustauschs findet hier statt, weswegen das Gebiet auch als grüne Lunge des Planeten bezeichnet wird. Somit hätte eine Zerstörung des Regenwaldes auf globaler Ebene verheerende Folgen.

Doch der Amazonas-Regenwald befindet sich in akuter Gefahr. Schon mehr als 17% sind durch die Menschen vollständig zerstört worden und weitere 17% sind nachhaltig geschädigt. Doch was sind eigentlich die Konsequenzen?

  1. Das Artensterben: Eine Konsequenz, die vermutlich auf der Hand liegt, ist die Abnahme der Artenvielfalt. Wenn den Lebewesen in diesem Gebiet die Heimat genommen wird, werden diese Arten früher oder später aussterben.
  2. Zunehmende Trockenheit: Auf den Blättern der Bäume verdunstet Wasser. Wenn es weniger Bäume gibt, dann sinkt also die Luftfeuchtigkeit und es gibt weniger Niederschläge. So trocknen die Bäume und ihr Boden aus, das Risiko von Waldbränden steigt und es gibt langfristig nach weniger Bäume. So beschleunigt sich der Prozess von alleine, bis der komplette Amazonas-Regenwald ein baumloses Trockenheitsgebiet ist. Das ist einer der zuvor angesprochenen Kipp-Punkte.
  3. Freisetzung von Treibhausgasen: Würde der hier gebundene Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangen, wäre das fatal für das globale Klima. Zusätzlich wird durch Brandrodung noch mehr Kohlenstoff ausgestoßen. Wenn der ganze Kohlenstoff freigesetzt werden würde und keiner mehr gebunden werden kann, würde dies den Klimawandel unaufhaltsam beschleunigen. Das macht den Amazonas-Regenwald zu einem der bedeutendsten Klima-Kipp-Punkten.
Ein grüner Wald steht in Flammen - der Mensch zerstört die Wälder

Die borealen Wälder

Die borealen Wälder erstrecken sich über Nordamerika, Europa und Asien und machen mit fast 15 Millionen Quadratkilometern mehr als einen Drittel der globalen Waldfläche aus. Sie bilden eine Art grünen Gürtel aus Nadelbäumen nördlich des Äquators. Da sie teilweise in den Wald der gemäßigten Breiten übergeht, findet man besonders in den Übergangszonen auch vermehrt Laubbäume. Genau wie beim Amazonas-Regenwald wird hier eine größtenteils nicht nachhaltige Abholzung betrieben und das Artensterben begünstigt.

Doch auch der Klimawandel geht nicht spurlos an den borealen Wäldern vorbei. Die verstärkte Trockenheit und die heißeren Sommer sorgen dafür, dass die Bäume anfälliger für Krankheiten sind und es vermehrt zu Waldbränden kommt. So wird nicht nur weniger Kohlenstoff gebunden, sondern auch sehr viel freigesetzt und so der Klimawandel weiter begünstigt. Hinzu kommt, dass der Permafrost, auf dem ein großer Teil der borealen Wälder steht, taut. Ein gesunder Wald könnte für Stabilität sorgen und dennoch die im Boden gespeicherten Treibhausgase halten. Doch sterbende bioreale Wälder begünstigen dies zusätzlich.

Warum werden die Wälder abgeholzt?

Die offensichtlichste Ursache für die Abholzung ist natürlich der Gewinn von Holz. Die borealen Wälder decken alleine etwa 90% des weltweiten Papier- und Schnittholzbedarfs ab. Doch besonders der Amazonas-Regenwald wird hauptsächlich aus einem anderen Grund abgeholzt: Um Platz zu schaffen. Da sich mit dem Sauerstoff leider kein Geld verdienen lässt, muss der Regenwald vor Monokulturen für Soja, Ölpalmen und Viehweiden weichen. Bereits ein Fünftel der gesamten Landfläche Brasiliens ist mit Viehweiden bedeckt.

Dazu kommt, dass sich unter manchen Gebieten Bodenschätze wie Coltan (für Elektrogeräte wie Handys, Kameras und Laptops) und Gold. Um einen besseren Abbau und Transport zu ermöglichen, werden weitere Bäume zum Ausbau der Infrastruktur gefällt.

Was natürlich nicht unbeachtet gelassen werden darf: Etwa 36% der Rohstoffe, für die der Amazonas-Regenwald abgeholzt wird, werden in die EU geliefert. Doch was kann jeder einzelne tun?

  • Produkte aus Monokulturen und Palmöl vermeiden
  • Nur recyceltes oder nachhaltig produziertes Papier verwenden
  • Möglichst auf Fleisch verzichten (Da der Sojaanbau fast ausschließlich dem Futter für die Tiermast dient)
  • Den eigenen ökologischen Fußabdruck reduzieren

https://www.dw.com/de/die-taiga-schützen-heißt-das-klima-schützen/a-5295118

https://www.greenpeace.de/themen/waelder/waelder-des-nordens/kahlschlag-der-taiga

https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/diese-5-kippelemente-beschleunigen-die-klimaerwaermung/

https://www.pik-potsdam.de/de/produkte/infothek/kippelemente

https://www.naturfreunde.de/16-kipppunkte-im-erd-klimasystem

https://www.careelite.de/klima-kipppunkte/

https://www.faz.net/aktuell/wissen/erde-klima/klimaaktivisten-warnen-vor-kipp-punkten-gibt-es-sie-16524484.html

https://www.spektrum.de/news/tipping-point-wann-erreicht-der-amazonas-seinen-kipppunkt/1708482

https://www.dw.com/de/alarmierende-abholzung-am-amazonas/a-55780344

https://www.regenwald-schuetzen.org/regenwald-wissen/regenwald-zerstoerung

https://www.careelite.de/abholzung-der-waelder-regenwald/

https://utopia.de/ratgeber/waldrodung-ursachen-folgen-und-was-du-tun-kannst/