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Der nachhaltige und tierfreundliche Garten

12. April 2021 Lesezeit ca. 6 Min.
Bunter Klatschmohn auf einer Wiese mit einer Biene im Landeanflug - dein Garten kann ein nachhaltiges Stück Natur sein

Der nachhaltige und tierfreundliche Garten

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Kaum wird das Wetter schön und die ersten Sonnenstrahlen erwärmen den Frühling, zieht es viele Menschen in den eigenen Garten oder auf den Balkon. Gärtnern ist zwar prinzipiell ein sehr umweltfreundliches Hobby – aber nur unter bestimmten Bedingungen. Denn oft vergessen wir, dass wir zwar Besitzer dieses Gartens sind, dort jedoch nicht alleine leben. Ein Garten kann ein natürliches System aus Pflanzen, Tieren und Mikroben sein, die dort alle zu Hause sind. Der derzeitige Trend sind allerdings Gärten aus Stein mit gestutzten Grasflächen auf Golfplatzniveau und chemisch bearbeiteten Pflanzen. Hier haben die meisten Lebewesen keine Chance. Besonders bei den Kiesbeeten ist das Argument, dass sie so wenig Arbeit machen. Doch ein Naturgarten reguliert sich von selbst und bedeutet langfristig nicht nur weniger Arbeit, sondern auch geringere Kosten.

Im Sinne der Nachhaltigkeit sollte der Garten als Natur betrachtet und auch so behandelt werden, wenn man der Tier- und Pflanzenwelt etwas Gutes tun möchte. Der Naturgarten zeichnet sich durch eine hohe Pflanzenvielfalt, Nahrungsangebote für Insekten und einen schonenden Umgang mit Ressourcen aus. Dafür wird man mit einem einzigartigen Garten belohnt, der in jeder Saison anders aussieht und wo man stets neue Tiere und Pflanzen entdeckt und sogar sein eigenes Obst- und Gemüse anbauen kann.

Der Umgang mit Wasser

Die meisten wissen, dass es sich bei Wasser um eine kostbare und endliche Ressource handelt. Doch besonders an heißen Sommertagen reichen Niederschlag und Grundwasser den Pflanzen nicht aus und man muss den Garten selbst bewässern. Dabei ist es allerdings nicht sonderlich nachhaltig, auf das zum Trinkwasser aufbereitete Leitungswasser zurückzugreifen. Viel besser ist es, mit einer Regentonne das kostenlose und obendrein auch kalkärmere Regenwasser aufzufangen. Mit Fallrohren von der Dachrinne lässt sich das Wasser direkt in die Tonne leiten und ein einziger Schauer reicht aus, um den Garten tagelange bewässern zu können. Alternativen für besonders große Gärten sind unterirdische Zisternen oder mit entsprechenden Genehmigungen sogar ein eigener Brunnen im Garten

Zudem spart man zusätzlich Wasser, wenn man möglichst viele Pflanzen direkt in die Beete statt in Töpfe pflanzt. Das Gießen mit einer Kanne ist zwar anstrengender, verbraucht aber viel weniger Wasser als ein Sprenger und man hat das Workout direkt inklusive. Du solltest auch vermeiden, in der direkten Mittagshitze zu gießen. Durch die Sonneneinstrahlung verdunstet bis zu 90% des Wassers, bevor es überhaupt zu den Wurzeln gelangen kann. Außerdem können Wassertropfen auf den Blättern zu Brandschäden führen. Viel besser ist es, direkt morgens nach dem Aufstehen eine kurze Gieß-Runde durch den Garten zu machen.

Eine bunte Blumenwiese im Sonnenschein - deutlich nachhaltiger im Garten als nur gestutzter Rasen

Effektive und tierfreundliche Bepflanzung

Wie eingangs erwähnt, ist im nachhaltigen Naturgarten eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren vertreten. Während in vielen Gärten der penibel gepflegte englische Rasen vorherrscht, tendiert man hier eher zu einer pflegeleichten bunten Wiese. Als zusätzliche Heimat für Insekten können sogenannte Insektenhotels dienen, welche du mit Anleitungen von Seiten wie Pinterest auch ganz einfach selbst bauen kannst. Durch Nistkästen holst du dir auch mehr Vögel als natürlichen Schädlingsschutz in den Garten. Weitere Nistplätze kannst du durch eine Hecke schaffen, welche zusätzlich als natürlicher Sichtschutz dient und Zäune überflüssig macht. 

Da gilt: „Jeder Baum hilft dem Klima“, darf es auch gerne im eigenen Garten einige davon geben. Heimische Obstbäume haben zusätzlich den Vorteil, dass sie blühend den Bienen und weiteren Insekten als Nahrung dienen. Zudem kannst du dich an deinem eigenen süßen Obst erfreuen. Zusätzlich spenden sie Schatten in heißen Sommertagen und sorgen dafür, dass der Boden nicht so schnell austrocknet. Auch bei den Blumen müssen es nicht immer die exotischsten Sorten sein. Heimische Pflanzen wie die Sonnenblume oder die Malve machen nicht nur optisch viel her, sondern sind ebenfalls bei Insekten heiß begehrt

Du planst, im Garten ein bisschen eigenes Gemüse anzupflanzen? Super! Das geht nicht nur sehr einfach, sondern ist auch gesund und super nachhaltig. Für einen effektiven Gemüseanbau kannst du mit ein paar kleinen Tricks sorgen. Wenn du beispielsweise Dill zwischen Gurkenreihen oder Zwiebeln neben Möhren pflanzt, begünstigen diese Pflanzen ihr Wachstum gegenseitig. So gedeihen Kartoffeln wunderbar neben Mais oder Spinat, neben Gurken oder Radieschen dagegen eher weniger. Im Internet kannst du Unmengen an Tipps finden, wie du dir schnell und einfach deinen kleinen Gemüsegarten zaubern kannst.

Dünger und Schädlingsbekämpfung

Auch wenn es oft wie eine schnelle und effektive Lösung wirkt, haben schädliche Chemikalien in einem Naturgarten nichts verloren. Der Boden des Gartens bildet das Fundament. Also bedeutet jede Veränderung der Beschaffenheit automatisch eine Veränderung des Lebensraums. In nur einem einzigen Gramm Erdboden leben mehr Bakterien und Organismen als es Menschen auf der Erde gibt. Dieses vielfältige aber empfindliche System wird leider viel zu häufig durch den Einsatz von Chemiekeulen zerstört. Beispielsweise der Einsatz von mineralischem Dünger kann das Leben im Boden stark beeinträchtigen. Die Wirkung solcher Dünger ist oft nur kurzlebig, weswegen man dazu neigt, sehr oft und auch zu viel zu düngen. Zudem kann Nitrat ausgewaschen werden, welches das Grundwasser belastet.

Eine viel nachhaltigere und genauso effektive Alternative ist der Einsatz von Kompost. Ein eigener Komposthaufen hat zusätzlich den Vorteil, dass man seinen gesamten Biomüll dort entsorgen kann. Wer nicht den Platz für einen Komposthaufen hat, kann sich auch eine saubere Wurmkiste ins Haus oder auf den Balkon stellen. Alternativ kann man auch den Mist von lokalen Bauernhöfen oder nachhaltigen Bio-Dünger verwenden. Auch in die Erde kann der Kompost direkt mit beigemischt werden. So kann komplett auf torfhaltige Erde verzichtet werden. Denn Torf stammt aus Mooren, welche große Kohlendioxidspeicher sind und immer mehr durch den Torfabbau zerstört werden.

In einem Naturgarten, welcher sich selbst regulieren kann, kann auch vollständig auf den Einsatz von chemischen Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmitteln verzichtet werden. Wenn man dennoch ein bisschen nachhelfen möchte, kann man sich ganz einfach mit Mitteln aus Brennnesseln gegen Schädlinge wehren. Auch kann man bereits beim Anlegen des Gartens Vorsorge leisten. Pflanzt man sie beieinander, schützen beispielsweise Basilikumpflanzen Tomaten vor Mehltau oder Lavendel schützt Rosen vor Blattläusen.

Blumen gepflanzt in einem alten Koffer - Upcycling macht deinen Garten nachhaltiger und interessanter

Nachhaltige Gartenmöbel und Equipment

Wenn du nachhaltig(er) leben möchtest, dann gelten im Garten eigentlich dieselben Grundsätze wie auch im Haus. Beispielsweise solltest du versuchen, möglichst auf Plastik zu verzichten. Generell sind die Blumentöpfe aus Materialien wie Ton oder Weide schicker und dazu noch langlebiger. Viele Gärtnereien bieten auch sowas wie Pfandkisten an, mit denen du neue Pflanzen völlig plastikfrei nach Hause transportieren kannst und die Kiste anschließend wieder zurückbringst. Auch im Winter musst du nicht zur Plastikfolie greifen. Abdeckgaze aus Baumwolle schützt genauso vor Schädlingen und Frost und kann oft auch mehrere Saisons genutzt werden. Ähnlich ist es auch bei Gartenmöbeln. Hier sind die Alternativen aus regionalem Holz deutlich nachhaltiger als Möbel aus Kunststoff. Allerdings solltest du hier auf das FSC-Siegel achten und nicht am falschen Ende sparen. Denn wenn du qualitativ hochwertiges Holz kaufst, ist dies gegebenenfalls nicht nur eine Anschaffung fürs Leben. Denn Holz das nicht verrottet, bindet auch im verarbeiteten Zustand weiter CO2 und tut so etwas für die Umwelt. 

Besonders bei Töpfen, Deko und Gartenmöbeln muss es auch nicht immer das Neueste vom Neuesten sein. Zum Beispiel bekommst du auf Flohmärkten für wenig Geld schicke Sachen mit einem besonderen Charme. Auch das nachhaltige Upcycling kann deinen Garten optisch aufwerten. So kannst du Holzkisten zu Hochbeeten umfunktionieren oder eine alte Holzleiter als Rankhilfe verwenden. Sogar ein altes rostiges Fahrrad wird mit der richtigen Bepflanzung zu einem beeindruckenden Dekostück. Für die Anzucht von Pflanzen musst du zudem nicht extra Saattöpfe kaufen. Selbstgemachte Gefäße aus Zeitungspapier taugen mindestens genauso gut zur Gemüseaufzucht. 

Zudem ist es auch nachhaltiger, wenn du weitestgehend auf Geräte mit Stromzufuhr oder Akkus verzichtest. Die meisten Gartenarbeiten lassen sich auch mit Handgeräten erledigen. Wenn dann doch mal schwerere Geschütze aufgefahren werden müssen, ist es aber nicht immer nötig, sich das entsprechende Gerät direkt zu kaufen. Da man das meiste Equipment eh nur selten benötigt, bieten die meisten Baumärkte diese mittlerweile zur Miete an. Alternativ kann man sich auch mit seinen Nachbarn zusammentun und gemeinsam ein Gerät für alle kaufen. So spart man nicht nur Geld, sondern auch wertvolle Ressourcen

Für viele gehört zu einem schicken Garten und zu einer Grillparty auch immer Beleuchtung. Auch wenn die immer beliebteren Solarlampen da eine nachhaltigere Wahl sind, ist regelmäßige Beleuchtung im Garten eher schädlich. Sie trägt zusätzlich zur ohnehin immensen Lichtverschmutzung bei und bringt zudem den natürlichen Tag- und Nachtzyklus der Tiere und Pflanzen in deinem Garten durcheinander. Gegen ein gemütliches Licht am Abend spricht natürlich nichts, aber man sollte versuchen, nicht jede Nacht zum Tag zu machen.

Ein Naturteich als Pool und zusätzlichen Lebensraum 

Besonders in heißen Sommern spielen viele Gartenbesitzer mit dem Gedanken, sich einen Pool anzuschaffen. Allerdings werden diese nur durch viele schädliche Chemikalien sauber gehalten und werden für kleine Tiere schnell zur Todesfalle. Viel schöner ist dagegen ein Naturteich. Dieser wird durch das darin enthaltene Ökosystem auf natürliche Art sauber gehalten, bietet vielen Tieren ein zu Hause und macht auch optisch viel her. Und außerdem, was gibt es entspannenderes, als bei einem Nickerchen in der Sonne dem Plätschern eines Bachlaufs zu lauschen?

Eine Seerose auf einem Teich - eine natürliche Alternative zum Pool im eigenen Garten
Foto: Ridham Parikh

Gärtnern geht überall

Alles in diesem Artikel beschriebene geht in etwas entschärfter Form selbstverständlich auch auf einem Balkon, einer Dachterrasse oder sogar auf der Fensterbank. Für die Natur ist jede bienenfreundliche Blume wichtig, jeder gesparte Wassertropfen entscheidend und jeder Nistkasten ein zu Hause. Da du natürlich nicht zu kurz kommen sollst, kannst du bei der Gestaltung dennoch völlig frei sein. Schaff dir in deinem Garten oder auf deinem Balkon einen neuen Lieblingsplatz und deinen persönlichen Ruhepol und genieß dein kleines Stück Natur.

https://www.gartenhaus-gmbh.de/magazin/nachhaltiger-garten-11-regeln-fuer-gruenes-gaertnern/

https://www.mein-schoener-garten.de/gartenpraxis/10-tipps-fuer-nachhaltiges-gaertnern-35941

https://www.schoener-wohnen.de/einrichten/garten-terrasse/42283-bstr-nachhaltig-gaertnern-24-tipps-fuer-ihren-garten-und-balkon

https://www.careelite.de/garten-nachhaltig-naturgarten/

https://www.plantura.garden/gruenes-leben/nachhaltiges-gaertnern-9-tipps-fuer-umweltbewusste-gaertner

https://www.umweltdialog.de/de/verbraucher/leben-und-wohnen/2018/Nachhaltigkeit-im-Garten.php

https://besser-nachhaltig.com/den-garten-nachhaltig-gestalten/

https://www.garten-freunde.com/nachhaltigkeit-im-garten-12-anregungen-zum-schutz-der-umwelt/8788