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Die Bonpflicht und ihre Auswirkungen auf die Umwelt

Der Abgabezwang für Kassenbelege ist ein deutlicher Rückschritt in Sachen Umweltpolitik.

Die Bonpflicht und ihre Auswirkungen auf die Umwelt

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Neues Jahr, neue Gesetze und Auflagen. Auch 2020 enden mit dem Jahreswechsel zahlreiche Übergangsfristen, und die entsprechenden Beschlüsse treten in Kraft. Dazu gehört unter anderem die kontrovers diskutierte Bonpflicht, die eine ist. In dessen Rahmen muss ab 1. Januar 2020 bei jedem Verkaufsvorgang ein Kassenzettel ausgedruckt werden, ganz egal wie hoch der Umsatz ist und unabhängig davon, ob der Kunde einen Beleg wünscht oder nicht. Aufmerksamkeit hat das Thema vor allem durch die deutschlandweiten Proteste der Bäcker erregt. In ihren Statements machen sie auf den Unsinn der Bonpflicht aufmerksam. So führe der erzwungene Ausdruck der ungeliebten Zettel zu einem deutlich erhöhten Kostenaufwand. Zudem werde die Umwelt massiv belastet. Nicht nur durch den erhöhten Einsatz von Papier und Energie: Kassenzettel enthalten gesundheits- und umweltbelastende Chemikalien und gehören deshalb in den Hausmüll.

Die Bonpflicht ignoriert Umweltbemühungen

„Das ist reaktionär und in Zeiten von Fridays for Future nicht zeitgemäß“, bringt es Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, auf den Punkt. Während die Menschen weltweit auf die Straße gehen um auf die Gefahren einer drohenden Klimakatastrophe aufmerksam zu machen, Kinder und Jugendliche einschneidende Veränderungen fordern, um die Umwelt zu retten, beschließt die EU ein Gesetz, mit dem Tonnen an Müll produziert werden. Denn nur ein Bruchteil der Kassenzettel wird wirklich benötigt. Lediglich wenn ein gekauftes Produkt steuerlich geltend gemacht werden soll oder man seine Gewährleistung in Anspruch nehmen möchte, wird nach einem Ausdruck verlangt. Verfechter der Bonpflicht argumentieren zwar damit, dass der Beleg auch für den Konsumenten von Vorteil ist, nämlich dann, wenn er seinen Einkauf kontrollieren oder seine Ausgaben im Blick behalten möchte – realistisch betrachtet macht jedoch kaum jemand von diesem Benefit Gebrauch. Im Gegenteil: Der Großteil der Zettel landet direkt im Mülleimer, wird häufig nicht mal vom Kunden in Empfang genommen. „Danke, den können Sie behalten“, ist einer der meistgehörtesten Sätze der letzten Wochen.

Belastung durch Bisphenole steigt durch die Bonpflicht

Dabei kann man schon froh sein, wenn der Kassenzettel wirklich im Mülleimer landet. Viel zu oft wird er ins Altpapier gegeben. Dieser gut gemeinte (Recycling-)Ansatz führt jedoch zu Problemen, denn die beschichteten Thermopapiere enthalten Bisphenole. Bisphenol A ist in der Kandidatenliste für sehr gefährliche Stoffe gelistet und seine Verwendung seit 2010 verboten. ¹ Auch Bisphenol S steht unter Beobachtung, da es wie BPA unter dem Verdacht steht das Hormonsystem zu schädigen und die Fruchtbarkeit bei Mensch, Tier und anderen lebenden Organismen zu beeinträchtigen. ² Werden die Papiere im Altpapier entsorgt, gelangen die chemischen Stoffe während des Recyclingvorgangs ins Grundwasser. Die vorhandenen Sicherungsmaßnahmen der recycelnden und papierverarbeitenden Anlagen reichen nicht aus, um dies zu verhindern. Das Umweltamt und Experten für Luft- und Trinkwasserhygiene warnen bereits jetzt und davor, das Ganze kleinzureden: „Es gibt definitiv eine Gefährdung – es spricht nur kaum jemand darüber“, so Patric Opitz vom Zentrum für Luft- und Trinkwasserhygiene GmbH.  ³

Die Bonpflicht ist Ressourcenverschwendung

Mit der drohenden Kassenzettelschwemme, die die Bonpflicht auslösen wird, steigt auch die Gefahr, dass sich mehr Bisphenole im Grundwasser und damit in der gesamten Umwelt anreichert. Die langfristigen Folgen sind nicht absehbar. Hinzu kommt der steigende Bedarf an Rohstoffen, die für die Herstellung der Thermopapierrollen benötigt werden. Da die alten Kassenzettel komplett aus dem Recyclingkreislauf herausfallen, ist kaum ein Ausgleich möglich. So wurden bereits vor Einsetzen der Bonpflicht rund 200.000 Tonnen Papier nur für Kassenzettel verbraucht. Kein Blatt davon kann wiederverwertet werden, weshalb das gesamte Papier auf dem Müll landen und verbrannt wird. Trotzdem besteht ein stetiger Bedarf an neuen Rohstoffen, da immer wieder neue Papierrollen produziert werden müssen – ein Kreislauf bei dem Umweltaktivisten weltweit die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Von Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein fehlt jede Spur. Damit wird die Bonpflicht zu einem anschaulichen Beispiel für eine zu kurz gedachte Gesetzgebung, die Unternehmen und Bürger gleichermaßen belastet und zu noch mehr Bürokratie führt. Zudem werden alle Bemühungen eine Umweltwende herbeizuführen ignoriert.

Gesundheitsgefährdung durch Bonpflicht

Übrigens sind nicht nur die Bisphenole im Wasser gefährlich: Schon bei der kleinsten Berührung lösen sie sich und gelangen per Hautkontakt direkt in den Organismus. Somit belastet die Bonpflicht nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit der Menschen, die tagtäglich mit dem giftigen Papier arbeiten. Mit der neuen Regelung werden Kassierer, Verkäufer und Co. dazu gezwungen jedem Kunden einen Kassenzettel zu überreichen und damit in Kontakt mit den gesundheitsschädlichen Chemikalien zu kommen. Mit Handschuhen kann dies verhindert werden oder man steigt gleich völlig auf eine papierlose Alternative um, denn trotz des ganzen Ärgers um die Bonpflicht gibt es Lichtblicke. Zwar ist das Gesetz eng geschnürt und Ausnahmegenehmigungen werden selten erteilt, ein wenig Freiraum hat der Gesetzgeber jedoch gelassen. So lässt er die Wahl, ob der Kassenzettel haptisch oder elektronisch ausgestellt wird. 

Ausweg aus der Bonpflicht: Der elektronische Kassenzettel

In letztgenannter Variante liegt die Lösung für die Probleme, die die Bonpflicht mit sich bringt. So müssen die Belege nicht ausgedruckt werden, sondern werden kontaktlos, per NFC-Verfahren direkt auf das Smartphone des Kunden übertragen. Möglich macht dies beispielsweise die Kassenzettelapp admin, die auf jedem mobilen Endgerät installiert werden kann. Die Technik ist so einfach gehalten, dass auch kleinste Kassensysteme mit ihr ausgestattet werden können. Die Bedienung ist nutzerfreundlich und auf Funktionalität ausgelegt. Das Ausstellen des Kassenbons dauert nur Sekundenbruchteile, belastet die Umwelt nicht und macht Ausdrucke obsolet. Entwickelt, um den täglichen Einkauf und die Buchhaltung zu vereinfachen sowie das Zettelchaos zu reduzieren wird das elektronische Quittieren im Rahmen der Bonpflicht zu einem Werkzeug, dass den nachhaltigen Umgang mit Umwelt und Ressourcen dort möglich macht, wo der Gesetzgeber einfach vergessen hat darüber nachzudenken.

Quellen:

1. https://www.umweltbundesamt.at

2. https://journals.plos.org

3. https://newsroom.adminapp.de

4. https://www.umweltbundesamt.de