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Die Geschichte des Kassenzettels

Welchen Einfluss nahmen Registrierkasse, Druckverfahren und Digitalisierung auf den Kassenzettel?

Die Geschichte des Kassenzettels

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Es gibt Dinge, die gehören so selbstverständlich zum Alltag, dass man sich keine Gedanken darüber macht, wie es ohne sie wäre. Kaffeefilter zum Beispiel, Zahnpasta oder die Glühbirne. Auch der Kassenzettel gehört in die Reihe der Dinge, die als gegeben betrachtet werden. Im Gegensatz zu heute handelte es sich jedoch nicht immer um ein schnell produziertes Massenprodukt, das zwar gebraucht wird, aber trotzdem eher unbeliebt ist. Einen Kassenzettel zu erstellen war früher mit Arbeit verbunden und brauchte Zeit. Zudem veränderten sich Funktion und Gestalt im Laufe der Geschichte.

Die Verwendung des Kassenzettels in der Geschichte

Eine frühe Erwähnung des Begriffs „Kassenzettel“ ist in einer Gesetzessammlung von 1787 zu finden. Dort fungiert er als eine Art Anforderungsschein, mit dem man Geld abheben kann. Die Vordrucke (damals noch im gutenbergschen Letterndruckverfahren hergestellt) mussten handschriftlich ausgefüllt, unterschrieben und dem Bankschreiber übergeben werden. Dieser prüfte Zettel und Konto, und veranlasste dann die Auszahlung durch einen Kassierer. ¹

Der Kassenzettel als Rechenhilfe und Beleg

Mit Einführung der Registrierkasse um 1900 wurde der Begriff immer öfter auch für den Beleg verwendet, den man beim Einkauf im Geschäft erhielt. Die Verkäufer notierten alle vom Kunden erworbenen Waren samt Preis säuberlich auf einem Zettel. Am Ende wurde alles zum Gesamtpreis addiert. Der Einkaufsbeleg diente dem Kunden als Kontrollmöglichkeit und Nachweis über den getätigten Kauf. Aufgrund der Übersichtlichkeit des damaligen Warenangebotes und dem persönlichen Kontakt zum Kunden war bei möglichen Reklamationen jedoch selten ein Nachweis nötig. Diese Form der Belegerstellung wurde lange beibehalten, auch deshalb, weil die ersten Registrierkassen keine Rechenfunktion besaßen. Man konnte nur die Endsumme eingeben. Also musste der Gesamtbetrag weiterhin im Kopf errechnet und per Hand notiert werden. ² Sogar als die Kassen endlich selbst addieren konnten, wurde weiterhin ein Beleg geschrieben.

Eng verknüpft: die Geschichte des Kassenzettels und der Registrierkasse 

Kopfrechnen, Artikel für Artikel auflisten, möglichst lesbar und für den Kunden nachvollziehbar: Das alles kostet Zeit. Mit Aufkommen der Selbstbedienungsläden in den 1930er-Jahren wurde das Einkaufen schneller, die Produktpalette breiter und das Verhältnis zwischen Kunde und Händler anonymer. Damit wurde der Kassenzettel als Kontrollmöglichkeit immer wichtiger. Mit der steigenden Nachfrage der Geschäfte und einem immer größeren Kundenkreis mussten die Märkte an ihrem „Timing“ arbeiten – die Kunden also schneller abwickeln. Die Registrierkasse nahm der Kassiererin Arbeit ab. Zudem gab es inzwischen Ausführungen, die mit einer Druckeinheit versehen waren. Beim Drehen der seitlichen Kurbel wurde sie in Gang gesetzt und die Kasse spukte einen kleinen Zettel aus: Der Einkaufsbeleg wurde nun endgültig zum Kassenzettel. 

Neue Drucktechniken machen den Kassenzettel zum Massenprodukt das Geschichte schreibt

Oft reichten die Zahlenkolonnen auf dem Beleg der Registrierkasse jedoch nicht aus. Wer seine Kosten beispielsweise beim Finanzamt einreichen wollte, brauchte eine Quittung, die wiederum per Hand geschrieben wurde. Dies lies den Kundenstrom ins Stocken geraten. Ende der 60er-Jahre nahm die Geschichte des Kassenbons eine Wende: Es kamen erschwingliche Nadeldrucker auf den Markt, die klein genug waren, um für den Belegdruck eingesetzt zu werden. Sie konnten in kürzester Zeit verschiedenste Informationen auf Papier schreiben. Mitte der 80er-Jahre folgten Bondrucker, die das Thermodruckverfahren verwendeten. Diese waren noch schneller und setzten sich trotz einiger Nachteile (anfälliger, Kassenzettel verblasst mit der Zeit, kann nur mit speziellem Thermopapier betrieben werden) gegenüber dem Nadeldrucker durch.

Kassenzettel damals und heute: ein Beleg mit Wert

Bis heute gehört der Kassenzettel auf Thermopapier zum Standard. Im Laufe der Jahre wurden immer mehr Informationen auf das kleine Stück Papier gedruckt. Einerseits, weil sich die Gesetzgebung in Sachen Steuerrecht und Gewährleistungsanspruch immer weiter veränderte. Dies hatte neue Richtlinien zur Folge, die festlegten, was ein Kassenzettel an Informationen enthalten muss, um als Nachweis zu gelten. Andererseits entdeckten die Unternehmen den Kassenzettel als Werbefläche. Inzwischen gelten die meisten Kassenzettel als vollständiger Beleg für das Finanzamt (bis maximal 150 Euro netto). ³ Damit, und in der Funktion als Beleg, der zur Inanspruchnahme von Gewährleistungs- und Garantieansprüche berechtigt, schließt sich der Kreis zum Kassenzettel von 1787. Wie damals besitzt das kleine Stück Papier einen monetären Wert: in seiner frühen Geschichte in Form eines konkreten Barbetrags, den die Bank auszahlte, heute in Form von berechenbaren Steuererleichterungen, Reparaturleistungen und Co. 

Die Geschichte des Kassenzettels geht weiter!

Auch wenn er von vielen ungeliebt ist und durch die im Thermopapier enthaltenden Bisphenole in Verruf geraten, ist der Kassenzettel unverzichtbar. In seiner Geschichte wurde sein Gesicht schon immer von den technischen Entwicklungen der jeweiligen Zeit beeinflusst. So ist es auch heute: Während es früher Drucktechniken waren, sind es nun digitale Lösungen wie die Kassenzettel-App admin, die aus dem Kassenzettel ein Produkt machen, das den Anforderungen unserer Zeit entspricht. Denn während der haptische Beleg auf Papier lange als unumgänglich galt, können die notwendigen Daten inzwischen dank der Möglichkeiten der Digitalisierung auf andere Art archiviert werden. Dafür braucht es nur einen NFC-Scanner, ein Smartphone und die admin-App. Eine Entwicklung für die Zukunft, mit der (Thermo-)Papier, Drucker und handschriftliche Belege irgendwann genauso der Vergangenheit angehören werden wie Letterndruck und Bankschreiber.

Quellen:

1. Johann Heinrich Ludwig Bergius: Sammlung auserlesener teutschen Landesgesetze welche das Policey- und Cameralwesen zum Gegenstände haben [Band 5] / Andreäische Buchhandlung, 1787 [S. 42]

2. https://industriemuseum.lvr.de/de/sammlung/registrierkasse_1.html

3. https://www.sage.com/de-de/blog/lexikon/kassenbeleg/