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Digitaler Minimalismus oder weniger ist mehr

Warum eine Verschlankung im Digitalen Sinn macht, und wie die Verknüpfung von analogem und digitalem Minimalismus gelingt.

Digitaler Minimalismus oder weniger ist mehr

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Zeit ist eine wertvolle Währung. Gefühlt gibt es davon nie genug für die Dinge, die einem wichtig sind. Zudem wird die Welt immer schneller und bietet gleichzeitig immer mehr Möglichkeiten, sich die rare Zeit zu vertreiben. Shopping, on- und offline gehört dazu. Der Besitz von Dingen löst Glücksgefühle aus, die jedoch schnell in Stress umschlagen, denn wer viel besitzt, muss sich auch tagtäglich mit seiner Habe auseinandersetzen. Das Gleiche gilt für die digitale Welt mit ihren technischen Errungenschaften. Auf der Jagd nach der neuesten Entwicklung und beim Umgang mit der stetig wachsenden Menge an Anwendungen, geht viel Zeit verloren. Statt sich das Leben zu vereinfachen, verstricken sich Anwender und Entwickler in den unendlichen Möglichkeiten. Mit dem Grundsatz des digitalen Minimalismus leiten die ersten nun jedoch zu einer Kehrtwende auf.

Der digitale Minimalismus und sein analoges Pendant

Um den Begriff des digitalen Minimalismus zu verstehen, muss man sich zunächst die analoge Welt anschauen. Dort ist „Minimalismus“ seit geraumer Zeit in aller Munde. Überall wird ausgemistet, Aufräumberater zeigen, wie man effektiv und nachhaltig Ordnung schafft, während die Bücher der Minimalismus-Ikone Marie Kondo auf den Bestsellerlisten nach oben schießen. Sogar zu einer eigenen Serie hat es die japanische Ordnungsberaterin gebracht, deren Name zum Synonym für das Aufräumen eines Schranks geworden ist (to kondo). Für einige ist dies sogar nur die Vorstufe zu einer tieferen Ebene des Minimalismus: Sie sehen ihn gleichbedeutend mit einem einfachen Leben, das Konsum und Besitz hinterfragt. Weniger Dinge zu besitzen sei befreiend und steigere die Wertschätzung für das, was wirklich wichtig ist.¹ 

Smartphone mit admin App

Digitaler Minimalismus auf dem Vormarsch

Doch wie steht es um den „Digitalen Minimalismus“? Fragt man Google, zeigt die Suchmaschine 7.980 Ergebnisse an. Ein Bruchteil von dem, auf das es das Stichwort Minimalismus bringt (6.670.000 Treffer). Das zeigt, dass die digitale Welt erst langsam Anschluss an die Philosophie des „Weniger ist mehr“ findet. Dabei sind die analoge und digitale Welt so eng miteinander verknüpft, dass es nicht damit getan ist Überflüssiges rein analog zu entfernen. Die Versuchung, Dinge zu digitalisieren, statt sich von ihnen zu trennen, ist groß. Getreu dem Motto „aus den Augen aus dem Sinn“. Doch ist das die Lösung? Werden die Dinge so nicht nur an anderer Stelle angehäuft? Wer so handelt, versteht den Begriff des digitalen Minimalismus falsch. Denn auch in die digitalisierte Habe muss man Zeit, Geld und Aufmerksamkeit investieren.²

Digitaler Minimalismus ist nicht gleich Digital-Detox

Es scheint also lohnenswert, sich mit dem Thema „Digitaler Minimalismus“ auseinanderzusetzen. Auch, weil es einem bewusst macht, wie viel Zeit man für die Nutzung digitaler Dienste aufwendet. Dabei geht es nicht darum, Smartphone, Social-Media, Messenger-Diensten und Co. zu entsagen. Auch das sogenannte „Digital Detox“ ist nur eine Variante des Ganzen und sicher keine Lösung für das grundsätzliche Problem. Im Kern geht es beim digitalen Minimalismus darum, sich mit seinem Verhalten im digitalen Raum auseinanderzusetzen und sich zu fragen, wie viel von der Zeit, in der man sich am Smartphone oder am Rechner verbracht hat, wirklich produktiv war? 

Der digitale Minimalismus fragt danach, was wirklich notwendig ist

Die digitale Welt bietet so viel. Sie stellt einen unbegrenzten Fundus an Informationen zur Verfügung und vermittelt das Gefühl, immer ganz nah dran zu sein. Apps sind schnell installiert und bieten für jedes Problem eine Lösung. Doch was auf den ersten Blick einfach und geordnet wirkt, kann einen überfluten. Apps, so kompakt und praktisch sie auch sein mögen, sammeln sich an, fressen Zeit und Speicherplatz – keine Spur von digitalem Minimalismus. Statt eine Anwendung für viele Zwecke zu nutzen, neigen viele dazu, für alles eine eigene App zu laden. Das Gleiche gilt für Endgeräte: einen PC, Laptop, Tablet, und Smartphone zu besitzen ist möglich … aber ist es notwendig?

Mehr Zeit für die wichtigen Dinge: digitaler Minimalismus macht‘s möglich

Digitaler Minimalismus bedeutet sich zu fragen, was man wirklich braucht, was in Alltag und Job hilfreich ist – und was nur Spielerei. Marie Kondos Grundsatz „Wenn es dir keine Freude bereitet, entferne es aus deinem Leben“, lässt sich somit auch ins Digitale übertragen. Das Gleiche gilt für die Gestaltung von Apps. Viele Entwickler statten ihre Anwendungen mit jeder Menge Beiwerk aus. Dinge, die zwar nett sind, jedoch nicht wirklich gebraucht werden oder sogar die Bedienung erschweren. Das Design wird herausgeputzt, oft nur, um zu zeigen, was möglich ist. 

Analogen und digitalen Minimalismus verbinden: ein logisches Konzept

Doch es geht auch anders. Ein Beispiel ist die Kassenzettelapp admin. Sie ist bewusst minimalistisch gehalten. Mit ihrer reduzierten Optik ist sie unkompliziert zu bedienen. Sie tut ausschließlich das, wozu entwickelt wurde: Kassenzettel archivieren, diese auf Abruf bereitstellen, die Möglichkeit die archivierten Daten nach Wunsch zu sortieren und an den Steuerberater weiterzuleiten. Da mit admin auf haptische Bons verzichtet werden kann, bildet die App einen Link zwischen analogem und digitalem Minimalismus. Sie trägt dazu bei, lose Zettelsammlungen und buchhalterische Mehrfachablagen auf ein Minimum zu verschlanken. Damit steht sie ganz im Sinne des Minimalismusgedanken.

Dieses Beispiel zeigt, dass der digitale Minimalismus nicht nur eine logische Konsequenz der aktuellen Minimalismusströmung ist, sondern sich mit einem bewussten Blick auf das Wesentliche, auch relativ einfach umsetzen lässt.

Quellen:

1. https://de.wikipedia.org

2. https://digitaler-minimalismus.de