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Digitalisierung und Nachhaltigkeit: zwei Seiten einer Medaille

In ihrem Statement erklärt Prof. Dr. Susanne Hensel-Börner, warum die beiden Bereiche Marketing und Sales nicht weiter unabhängig voneinander betrachtet werden dürfen und warum der Faktor Mensch für das Gelingen der digitalen Transformation eine wesentliche Rolle spielt.

24. September 2019 Lesezeit ca. 4 Min.
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Digitalisierung und Nachhaltigkeit: zwei Seiten einer Medaille

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Susanne Hensel-Börner ist Professorin für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marketing und Sales. Insbesondere beschäftigt sie sich mit der Fragestellung, wie die Digitalisierung diese beiden Bereiche verändert und was dies für deren Zukunft bedeutet. Darüber hinaus ist sie Initiatorin und Studiengangsleiterin des Masterprogramm „MSc Digital Transformation & Sustainability“ an der HSBA Hamburg School of Business Administration. In dem bundesweit einzigartigen Studiengang werden erstmalig die Themenbereiche Digitalisierung und Nachhaltigkeit systematisch miteinander verknüpft.

„Wir stehen vor der Herausforderung des Jahrzehnts“, ist Prof. Dr. Susanne Hensel-Börner überzeugt. Eine Herausforderung, die sowohl das Thema Digitalisierung, als auch den Bereich Nachhaltigkeit betrifft. Beides steht laut der Professorin in einem engen Bezug zueinander, denn „Digitalisierung bedeutet auch Elektrifizierung“. Um das Ausmaß, dessen deutlich zu machen, zieht sie einen Vergleich heran: „Wäre das Internet ein Land, so wäre es nach China und den USA mittlerweile der drittgrößte Stromfresser“. Ein Problem sei auch, dass Digitalisierung nicht nur bedeute, von analog auf digital umzustellen. „Es ist viel komplexer und erfordert ein Denken, das weiter geht und mit alten Mustern bricht“. Als Beispiel nennt Prof. Dr. Susanne Hensel-Börner den Digitalpakt, den sie als nicht zu Ende gedacht empfindet. „Digitale Lehre ist nicht gleichbedeutend mit Bildung für die digitale Welt“. So reiche es nicht, nur die technischen Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Auch sei die digitale Transformation bei Weitem nicht damit erfolgreich abgeschlossen, indem man ein Buch nur noch online liest. Trotz all dieser ökologischen Herausforderungen durch die Digitalisierung würden an vielen Stellen bis heute nicht die Chancen wahrgenommen, die die Digitalisierung für ein nachhaltiges Handeln bietet. Denn auch diese gibt es zweifelsohne.

Als Grundlage für eine erfolgreiche digitale Transformation im Sinne einer nachhaltigen Zukunft und auch nachhaltigen Wirkens nennt die Professorin die Bildung als einen zentralen Schlüssel. Es sind die sogenannten „vier K“-Kompetenzen, die es in jedem Alter des Lernens in den Mittelpunkt zu stellen gilt: Kreativität, Kommunikation, kollaboratives Arbeiten und kritisches Denken. Das gemeinsame (kollaborative) Arbeiten bildet deshalb das Herzstück ihres Studiengangs an der HSBA. So wird in Form von Projekten gelernt und gelehrt. An diesem Aspekt zeigt sich jedoch auch, wie sehr die Lehre sich verändern muss, um den Anforderungen gerecht zu werden, die die Digitalisierung mit sich bringt. „Wenn man sich in einer klassischen Klausursituation befindet, ist diese Art der Projektbearbeitung nicht möglich, da die Arbeit im Team im Rahmen einer klassischen Testsitutation oder Klausurprüfung als Betrug angesehen wird“, erklärt Prof. Dr. Susanne Hensel-Börner. In ihrem Studiengang würden deshalb natürlich auch Leistungsnachweise erhoben, aber auf andere Art.

Wie Anfangs erwähnt, sind die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit eng miteinander verknüpft. Wie eng zeigt sich am Beispiel einiger Projekte, mit denen sich Hensel-Börners Studierende beschäftigt haben. Dazu gehört die „CO2-Diät“ für Webseiten. „Mit jedem Aufruf einer Webseite entstehen CO2-Emissionen. Die Aufgabe war es, diese durch ein entschlacken der Seiten zu reduzieren“. Die Lösungen die dabei entstanden waren erstaunlich einfach und sind mit wenig Aufwand umsetzbar. Verhindert man beispielsweise den Autostart von Videos, bevor sie ins Blickfeld geraten, wird damit bereits viel Rechnerleistung und so Energie eingespart. Die Studierenden analysierten und verglichen die Webseiten zahlreicher Unternehmen, untersuchten sie auf den Energiebedarf und entwickelten eine Guideline, wie Webseiten im Sinne der Nachhaltigkeit optimiert werden können. Dies helfe auch Webmastern, die oft gar keine Ahnung hätten, wie sie die Webauftritte gezielt nachhaltig gestalten können, so Prof. Dr. Susanne Hensel-Börner.

Ein weiteres Projekt trägt den Namen „Das Smartphone als Rohstoff“. Im Rahmen dessen beschäftigten sich die Studierenden mit der Produktion der Geräte und den damit einhergehenden Rohstoffeinsatz sowie mit den Veränderungen des Kommunikationsverhaltens in der Gesellschaft. Es wurde eine Sammelaktion gestartet, in der alte Smartphones zusammengetragen und einer Wiederverwertung zugeführt wurden. Als Nächstes stünde das Thema Plastikverpackung im Fokus und die Suche nach Möglichkeiten diese umzustellen, erklärt Prof. Dr. Susanne Hensel-Börner.

Dadurch, dass es sich um einen berufsbegleitenden Studiengang handelt, sei es immer wieder spannend mitzuerleben, wie die jungen Menschen auf den neuen Input reagieren, und wie sie diesen in die Unternehmen tragen. „Es gibt so viele Facetten, mit denen sich Unternehmen beschäftigen können und müssen. Da braucht es mutige Gestalter mit Ideen, die etwas bewegen wollen“, so Prof. Dr. Susanne Hensel-Börner. Als solche Gestalter sieht sie auch ihre Studierenden. 

In diesem Zusammenhang sieht sie auch die digitale Kassenzettelapp admin. Der Vorteil liegt für sie primär in der Effizienzsteigerung. Auch, dass Papier gespart und damit betreffende Ressourcen geschont werden, kann herausgestellt werden. „Das Prinzip ist ähnlich wie das der Bahnfahrkarte, die nicht mehr ausgedruckt werden müssen, da man sie auf dem Smartphone speichern kann“. Dieser Entmaterialisierungseffekt würde jedoch auch dazu führen, dass an anderer Stelle Ressourcen eingesetzt werden. Man müsse den Reboundeffekt genau betrachten und eine faire Rechnung aufmachen. Wenn man dabei feststellt, dass diese ausgeglichen ist oder noch besser positiv im Sinne der Nachhaltigkeit ausfällt, sei klar, dass es sich um eine sehr gute Idee handelt. Darüber hinaus müsse man das Thema Datenschutz genau reflektieren, auch wenn es mühsam erscheint.

Insgesamt sei es wichtig, die zahlreichen Möglichkeiten der Digitalisierung immer genau zu betrachten. Vieles würde Sinn machen und gut funktionieren – allerdings nur, wenn der Mensch sich der Möglichkeiten in seinem Sinne zueigen macht und nicht umgekehrt. Als Beispiel nennt Prof. Dr. Susanne Hensel-Börner das Arbeiten an gemeinsamen Dokumenten in Netzwerken. „Das kann ganz wunderbar funktionieren, allerdings bringt es auch eine gewisse Transparenz mit sich, mit der nicht jeder umgehen kann“. Eigenverantwortung sei ein großes Thema, genauso wie die Entscheidungsfindung darüber, welches Tool für alle das Richtige sei. „Technisch ist vieles möglich, doch dann kommt der Mensch, mit seinen Gewohnheiten, Eigenheiten und berechtigten Bedürfnissen“, fasst die Professorin diese Herausforderung des digitalen Transfers zusammen.