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Erste Schritte Richtung „Zero Waste“

17. Februar 2021 Lesezeit ca. 4 Min.
Abfüllen von Lebensmitteln ohne Verpackungsmüll - passend zum Prinzip von Zero Waste

Erste Schritte Richtung „Zero Waste“

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Im Jahr 2018 wurden in Deutschland rund 417 Millionen Tonnen Abfall produziert. Der Durchschnittsbürger verbrauchte alleine fast 230 Kilo reinen Verpackungsmüll. Die Bewegung „Zero Waste“ bedeutet übersetzt nichts Anderes als „Kein Abfall“ und hat das Ziel, Müll im Alltag zu vermeiden. Dazu gehören nicht nur Kunststoff und Altpapier, sondern beispielsweise auch Elektroschrott und Lebensmittelverschwendung. Die Idee ist, ein Verbraucher statt nur ein Konsument zu sein und den Weg von der linearen Wirtschaft zur Kreislaufwirtschaft zu bereiten. Was nun erstmal wie eine unmögliche Aufgabe klingt, kann jeder mehr oder weniger stark ausgeprägt ganz einfach in seinen Alltag einbinden. Denn selbst wenn du nicht selbst die Strände von Plastikmüll befreist, kannst du da dazu beitragen, dass keiner mehr überhaupt dort landet. Die Ziele von Zero Waste sollen durch die Umsetzung der „fünf Rs“ erreicht werden.

Refuse

Das erste Leitprinzip von Zero Waste ist die Ablehnung, welche sich auf unterschiedliche Bereiche bezieht. Generell darf man nie vergessen, dass sich das Angebot immer an der Nachfrage orientiert, also je mehr Menschen zu bestimmten Produkten „Nein“ sagen, desto weniger wird in Zukunft davon produziert und andersherum. Es gilt das Prinzip: Der beste Müll ist der, der gar nicht produziert wird. 

Zum einen sollte man sich seines Konsums bewusst sein und überdenken, ob man das neue Kleidungsstück wirklich benötigt – besonders, wenn sowieso die Hälfte des Kleiderschranks noch unangetastet an der Stange hängt. Zudem kann man auch kostenlose Werbegeschenke oder Briefwerbung mit einem „Bitte keine Werbung“-Schild am Briefkasten vermeiden. Denn nur weil etwas umsonst ist, heißt das nicht, dass man es haben muss. Ebenfalls zur Ablehnung gehört die gezielte Wahl von Produkten. Um unnötigen Verpackungsmüll zu umgehen, kann man zu unverpackten Lebensmitteln greifen und zum Einkaufen immer einen eigenen Beutel dabei haben. Du musst dafür nicht zwangsläufig den nächsten Wochenmarkt oder Unverpackt-Laden aufsuchen. In jedem Supermarkt gibt es zum Beispiel unverpacktes Obst, Gemüse und Backwaren, welche du mit eigenen Netzen sicher transportieren kannst.

Frisches Gemüse in einem Transportnetz - diese Vermeidung von Müll ist ganz im Sinne von Zero Waste
Foto: Polina Tankilevitch

Reduce

Beim zweiten Prinzip, der Reduzierung, geht es um deine Sachen zu Hause. Wenn du dich in deinen eigenen vier Wänden einmal umsiehst, dann wirst du sicher eine Vielzahl von Dingen sehen, die du nicht mehr brauchst oder sogar noch nie benutzt hast. Es stellt ebenfalls eine Verschwendung dar, wenn man Dinge so lange besitzt, bis sie nicht mehr funktionieren oder nicht mehr konsumiert werden können. Daher solltest du bestenfalls verkaufen, verschenken oder spenden, was du nicht mehr benötigst – irgendjemand freut sich garantiert darüber und kann den ungenutzten Dingen ein neues Leben schenken. 

Dies gilt ebenfalls für Lebensmittel: Jedes Jahr landen allein in Deutschland über 12 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Um dem entgegen zu wirken, kannst du schon im Vorfeld planen, was du einkaufst, damit du vermeidest, dass die Augen größer sind als der Magen. Außerdem solltest du im Kopf behalten, dass es sich beim Mindesthaltbarkeitsdatum nur um einen Richtwert und nicht um eine Vorschrift handelt. Also solltest du auch abgelaufene Lebensmittel noch dem Geruchs- und Geschmackstest unterziehen, bevor du dich gegebenenfalls von ihnen trennst. Auch älteres Obst und Gemüse kannst du wunderbar für Smoothies, Suppen und Eintöpfe verwenden, selbst wenn diese äußerlich nicht mehr die Schönsten sind. Und auch wenn du Lebensmittel zu Hause hast, die du garantiert nicht verbrauchen kannst, gibt es mittlerweile genug Möglichkeiten, diese an andere Menschen weiterzugeben.

Reuse

Mit der Wiederverwendung ist die Vermeidung von Einwegprodukten gemeint, welche sich mittlerweile leicht durch Mehrwegprodukte ersetzen lassen. Einwegprodukte zeichnen sich dadurch aus, dass sie eigentlich nur dafür produziert werden, um weggeworfen zu werden. Besonders wenn wir unterwegs sind, neigen wir dazu, zu unnötigen Wegwerfprodukten zu greifen. Zum Beispiel überkommt einen auf dem Weg der Kaffeedurst und für wenig Geld bekommt man das Heißgetränk schon zum Mitnehmen. Nach ein paar Schlucken landen Becher und Rührstäbchen aber im Müll. Es gilt: Gute Vorbereitung ist der Schlüssel! Wenn man immer einen Thermosbecher dabei hat, kann man dieses Problem sofort lösen. Durch Stoffbeutel vermeidet man den Griff zur Plastiktüte und dank Vorratsdosen ist auch der Einkauf an der Frischetheke komplett plastikfrei. Wie du zum Beispiel auch ganz einfach alle Einwegprodukte in deinem Badezimmer ersetzen kannst, erfährst du hier.

Sehr viele Einwegbecher und ein wiederverwendbarer Glasbecher in der Mitte - die Vermeidung von Einwegprodukten gehört zu Zero Waste
Foto: cottonbro

Recycle

Vermutlich hast du Recycling irgendwo weit oben in dieser Liste erwartet, doch es kommt tatsächlich begründet nur an vierter Stelle. Der Sinn und Zweck von Recycling ist, Produkte wieder dem Wertstoffkreislauf zuzuführen. Aus diesem Grund ist es immer die nachhaltigere Wahl, zu Mehrwegprodukten und recyclebarem Material zu greifen. Trotz des guten Prinzips ist das Recycling auch nicht die Lösung für Alles und daher auch nur auf Platz Vier dieses Rankings. Obwohl ein Großteil der recycelten Objekte wieder aufbereitet und erneut verwendet werden kann, werden bei diesem Prozess Ressourcen wie Wasser und Strom benötigt und es können dennoch manchmal Abfallprodukte entstehen.

Rot

Das letzte Leitprinzip ist das Kompostieren. Diese sehr einfache und natürliche Art des Recyclings kann jeder machen – auch ohne Garten und Komposthaufen. Auch in der Wohnung kann eine saubere Wurmbox aufgestellt werden, in der alle biologisch abbaubaren Abfälle entsorgt und später als Pflanzendünger wieder verwendet werden können. Selbstverständlich kannst du deine Lebensmittelreste auch in der Biotonne entsorgen, wenn du darauf achtest, dass wirklich alle entsorgten Produkte organisch sind. 

Ein Kompost mit Äpfeln - das Kompostieren ist Teil von Zero Waste

Relax

Nein, wir haben uns tatsächlich nicht verzählt. Unser letzter Punkt gehört zwar nicht zu den fünf Rs, ist aber dennoch sehr wichtig. Das Prinzip von „Zero Waste“ ist letztendlich eine Utopie und ein Begriff, der schnell zu Stress und Druck führt. Es geht nicht darum, auf Biegen und Brechen gar keinen Müll mehr zu produzieren und einen großen Teil Lebensqualität einzubüßen. Es geht viel mehr darum, so wenig Müll zu produzieren, wie es einem selbst möglich ist. Du solltest die Bewegung eher als „Less Waste“ interpretieren und einfach deinen eigenen Konsum und Müll im Blick behalten, auf möglichst viel Verpackungsmaterial verzichten und wenn möglich auf Alternativen zugreifen. Auch die kleinste Veränderung ist ein Schritt in die richtige Richtung.

https://www.zero-waste-deutschland.de/zero-waste-basics/#toggle-id-1

https://www.smarticular.net/zero-waste-tipps-im-alltag-muellvermeidung/

https://utopia.de/ratgeber/zero-waste-leben-ohne-muell/

https://trashisfortossers.com

https://wastelandrebel.com/de/faq/

https://www.zerowastefamilie.de/zero-waste.htm

https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/umwelt/zero-waste-zukunft-ohne-muell/

https://ecoyou.de/zero-waste-tipps/