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Fast Fashion vs. Slow Fashion

10. Juni 2021 Lesezeit ca. 5 Min.
Ein Kleiderständer mit einem Rabattschild - Fast Fashion ist günstig und setzt auf Quantität statt Qualität

Fast Fashion vs. Slow Fashion

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Unsere Gesellschaft ist in sämtlichen Bereichen von den Maximen „höher, schneller, weiter“ geprägt. Einen besonders großen Teil davon nimmt die Modeindustrie ein. Von 2000 bis 2014 hat sich die weltweite Textilproduktion mehr als verdoppelt. Damit erzeugt sie mittlerweile mehr Emission als alle Flüge und Schiffsreisen zusammen. Hinzu kommt, dass die Produktionsbedingungen oft menschenunwürdig sind. Im Jahr 2013 fielen alle Blicke auf die ausbeuterische Modeindustrie, als die Modefabrik Rana Plaza in Bangladesch einstürzte und mehr als 1000 Menschen ihr Leben verloren und weitere 2000 verletzt wurden. Das Problem: Die sogenannte Fast Fashion.

Fast Fashion: Das Fast Food der Modeindustrie

Das Geschäftsmodell der Fast Fashion ist einfach. Viele Kollektionen mit den neuesten Trends sollen innerhalb kürzester Zeit und zu möglichst günstigen Preisen am Markt angeboten werden. Sie orientieren sich dabei an den Laufstegen der großen Marken und kopieren die Mode mit billigen Materialien. Um mit der Konkurrenz mithalten zu können, ist eine kurze Lead-Time wichtig. Das bedeutet, dass zwischen der Etablierung des Trends auf den Laufstegen, der anschließenden Designphase der Fast Fashion Marken und dem Verkauf nur rund vier Wochen vergehen. Um diese kurzen Reaktionszeiten und die niedrigen Preise gewährleisten zu müssen, geht die Produktion zulasten der Umwelt und der Arbeiter*innen.

Dabei ist das Prinzip ähnlich wie der Konsum von Fast Food. Man hat Hunger und erhält innerhalb kürzester Zeit ein leckeres Essen. Dabei ist einem eigentlich bewusst, dass es nicht lange satt macht und auch ungesund ist. Trotzdem greifen wir oft zu Pizza, Burger und Co. anstatt selbst etwas Frisches zu kochen. Die Mode der Fast Fashion funktioniert genauso. Wir erhalten schnell und günstig die neuesten Trends, obwohl wir wissen, dass die Produktion vermutlich weder ethisch noch nachhaltig abgelaufen ist. Wir sind dann kurz „gesättigt“, doch schon in der kommenden Saison warten die nächsten Trends auf uns. Per Definition sind Trends eher kurzlebig, da ist auch die Mode keine Ausnahme. So bleiben im Schnitt 40% der Kleidung ungetragen bei uns im Schrank und spätestens nach drei Jahren landen die Trends von heute auf dem Müll.

Eine Frau mit Einkaufsbeutel in einem Kleidungsgeschäft - wie nachhaltig ist Fashion?
Bild: Andreas Lischka

Die Nachteile der kurzweiligen Mode

Wie bereits angedeutet, zahlen die Arbeiter*innen in den Fabriken einen hohen Preis für unseren Konsum. Die Produktionsstätten liegen fast ausschließlich in Bangladesch, Kambodscha und Indonesien und zeichnen sich durch schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Löhne aus. Wenn wir hier ein T-Shirt für 5€ kaufen, können wir uns ja ungefähr ausrechnen, dass am Ende nicht viel für die Näher*innen übrig bleiben kann. Unter anderem für die Sicherheit wird seitens der Unternehmen ebenfalls nicht gesorgt. Das jüngste Beispiel ist der Umgang während der Corona-Pandemie: Nach nur wenigen Wochen mussten die Arbeiter*innen zurück zur Arbeit und sich dem Risiko einer Infektion aussetzen. Der Grund ist, dass die üblichen Abnehmer der dort produzierten Textilien keinerlei finanzielle Unterstützung anboten. Das bedeutet, wer nicht produzierte, hat auch nichts verdient und Aufträge an Konkurrenten verloren, die schneller die Produktion wieder gestartet haben.

Der zweite große Verlierer der Fast Fashion ist die Umwelt. Um möglichst hohe Gewinne bei geringen Verkaufspreisen zu erzielen, werden billige chemische Fasern wie Polyester verwendetet. Dies verbraucht nicht nur Erdöl, sondern setzt auch bei jedem Waschen der Textilien Mikroplastik ins Wasser frei. Etwa ein Drittel der Plastikpartikel in den Ozeanen stammen von synthetischen Textilien. Die Produktion verschlingt Ressourcen, vergiftet ganze Ökosysteme und sorgt dafür, dass Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Hinzu kommt, dass jährlich bis zu fünf Millionen weitere Menschen an Vergiftungen durch Pestizide sterben, die beim Anbau von beispielsweise Baumwolle verwendet werden. Zusätzlich wird die Umwelt durch den Müll belastet. Aufgrund der niedrigen Preise und der minderwertigen Qualität ist die Hemmschwelle sehr gering, die Kleidungsstücke direkt zu entsorgen, sobald sie kaputt sind oder einem nicht mehr gefallen.

Bekleidungsgeschäft mit Holzeinrichtung - revolutioniert Slow Fashion die Industrie?

Slow Fashion: Die Lösung?

Die Gegenbewegung zur Fast Fashion ist die sogenannte Slow Fashion. Im Mittelpunkt steht hier ein nachhaltiger und bewusster Modekonsum. Schon lange steigt der Wunsch der Menschen, in ihrem Alltag nachhaltiger zu handeln. Anders als Bio-Lebensmittel oder Recycling galt nachhaltige Mode bis vor Kurzem eher als Nischenprodukt. Aufgrund des Klischees, dass umweltfreundliche Mode immer auch direkt nach „öko“ aussieht, erfreute sie sich zunächst keiner großen Beliebtheit. Auch nachhaltige Labels gehen mittlerweile mit den Trends, sind aber mehr darauf bedacht, dass die Kleidungsstücke auch länger als nur eine Saison getragen werden. Und mit einem eher minimalistischem Outfit sieht man immer gut und modisch aus.

Das Stichwort: Qualität statt Quantität. Der Fokus der Slow Fashion liegt auf langlebigen und qualitativ hochwertigen Kleidungsstücken aus umweltfreundlichen oder sogar recycelten Materialien. Der Aspekt der Langlebigkeit bezieht sich aber nicht nur auf die Güte des Kleidungsstückes. Auch wenn den Trends gefolgt wird, achten die Hersteller auf eine Zeitlosigkeit und vielfältige Kombinierbarkeit der Klamotten. Auch Second Hand Mode gehört zur Slow Fashion. Insgesamt ist eines der Ziele der Slow Fashion eine Annäherung an eine Kreislaufwirtschaft und Transparenz über Herstellungsprozesse.

Doch natürlich profitiert nicht nur der Verbraucher. Slow Fashion steht zudem auch für kurze Lieferketten, möglichst lokale Lieferanten und Hersteller, faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Zudem setzen die Labels bei der Produktion auf natürliche Fasern wie Bio-Baumwolle, welche biologisch abbaubar ist und so Meere und Flüsse nicht verschmutzt. Bio-Baumwolle hat zusätzlich den Vorteil, dass beim Anbau weniger Wasser verbraucht wird und zudem weder synthetische Pestizide und Dünger noch Gentechnik eingesetzt werden. Dies schützt die Gewässer, die Artenvielfalt und natürlich auch die Arbeiter*innen.

Hat die nachhaltige Mode nur Vorteile?

Zugegebenermaßen muss man für nachhaltige Mode oft ein bisschen tiefer in die Tasche greifen als bei Fast Fashion. Allerdings ist das Geld durch die Langlebigkeit der Produkte auch gut angelegt. Zudem belastet man sein Gewissen nicht damit, dass die schöne neue Klamotte Umwelt und Menschen schaden könnte. Wenn man auch für den kleinen Geldbeutel nachhaltig shoppen möchte, kann man natürlich in Second Hand Shops oder auf Seiten wie Vinted nach neuen Lieblingsteilen suchen. Vielleicht ergatterst du sogar richtige Vintage Einzelstücke, die deinem Stil etwas Besonderes verleihen.

Eine Wahrheit möchten wir dir aber auch nicht vorenthalten: Du wirst vermutlich nie ein Kleidungsstück kaufen, das wirklich zu 100% nachhaltig ist. Selbst wenn die Arbeitsbedingungen fair sind und nur Bio-Rohstoffe verwendet wurden, ist ein Teil der Lieferkette vielleicht nicht nachhaltig oder der Versand nicht CO2-neutral. Du kannst dir selbst aussuchen, worauf du besonders großen Wert legst. Da viele Unternehmen den aktuellen Trend nutzen und Greenwashing betreiben, solltest du dich vor dem Kauf aber möglichst gut informieren.

Es geht auch gar nicht darum, gar keine neuen Klamotten mehr zu kaufen oder auch den schönsten Trend an dir vorbeiziehen zu lassen. Bei einem nachhaltigen Lebensstil geht es um Achtsamkeit und nicht um Verzicht. Mittlerweile gibt es optisch kaum noch Unterschiede zur Fast Fashion. Darum ist es jedes Mal ein Schritt nach vorne, wenn du dich für nachhaltige Labels entscheidest und deine Kleidung länger als nur eine Saison trägst.

Schaufensterpuppen vor einem Bekleidungsgeschäft - Fast Fashion ist ein echter Umweltsünder

Quellen

https://sanvt.com/de/journal/fast-fashion-vs-slow-fashion-was-ist-das-wo-sind-die-unterschiede/

https://nachhaltige-mode.de/fast-vs-slow-fashion-wir-klaeren-auf

https://www.momox.de/ratgeber/kleidung/fast-vs-slow-fashion/

https://www.greenality.de/blog/slow-fashion-vs-fast-fashion/

https://www.visualretailing.de/blog/2019/01/der-nachhaltigkeitstrend-im-handel-slow-fashion-vs-fast-fashion

https://phoenomenal.com/fast-fashion-vs-slow-fashion/

https://www.el-puente.de/blog/slow-fashion-nachhaltige-mode-als-alternative-zu-fast-fashion/

https://www.designmadeingermany.de/weblog/fast-fashion-vs-slow-fashion/

https://eyd-clothing.com/blogs/news/fast-fashion-slow-fashion

https://maindchange.de/allgemein/slow-fashion-vs-fast-fashion/

https://www.nachhaltigleben.ch/mode/fast-fashion-slow-fashion-modetrends-langlebigkeit-und-die-umwelt-2304

https://www.hausvoneden.de/lifestyle/slow-fashion-20-tipps-um-den-trend-einfach-umzusetzen/

https://www.fair-fashion-love.de/slow-fashion/

https://utopia.de/ratgeber/bio-baumwolle-fast-fashion-zara-hm-ca-nachhaltig/