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Wie Frauen die IT prägten

Als Programmieren noch ein Frauenberuf war und warum die IT wieder weiblicher werden muss.

Wie Frauen die IT prägten

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Die IT-Branche gilt als einer der zukunftsträchtigsten der Berufswelt. Wer im Job vorankommen will, sich einen sicheren Arbeitsplatz wünscht und Wert auf vielfältige Perspektiven legt, sollte Informatik studieren oder sich eine Ausbildung im IT-Bereich suchen. Die Chancen sind für Frauen wie Männer gleichermaßen groß – und dennoch stehen Frauen der IT immer noch skeptisch gegenüber. Auch wenn der Anteil an Informatikerinnen steigt, sind bisher nur 20 Prozent der Studierenden im Fach Informatik weiblich. Ähnlich sieht es bei den IT-Berufen aus. 

Informatik ist weiblich: Die ersten Frauen der IT

Woran liegt es, dass Frauen und IT sich nur zögerlich annähern? Wo doch viele der Grundlagen sogar von weiblichen Mathematikerinnen geschaffen wurden. Eines der frühesten Beispiele ist Ada Lovelace. Die Britin gilt als erste Programmiererin der Geschichte. Bereits im 19. Jahrhundert entwickelte einen Algorithmus, mit dem Bernoulli-Zahlen mithilfe einer Rechenmaschine ermittelt werden konnten. Damit entwarf sie rund ein Jahrhundert vor Konrad Zuse die erste programmierbare Rechenmaschine. Zwar wurde ihre „Analytical Engine“ nie gebaut, aber die in den 1970er-Jahren entwickelte Programmiersprache „Ada“ trägt Lovelaces Namen.

Frauen und IT: Als Programmieren noch Frauensache war

Während des Zweiten Weltkriegs gehörten Frauen und IT wie selbstverständlich zusammen. Damals galt das Programmieren als Frauenberuf. Es wurde als leichte Tätigkeit angesehen und von Bürokräften erledigt. Auch als die Systeme komplexer wurden, waren die Entwicklerinnen an vorderster Front mit dabei. Eines der bekanntesten Beispiele ist das Programmiererinnenteam des ENIAC, des ersten elektronisch programmierbaren Großrechners. Sechs Mathematikerinnen waren an dessen Entwicklung beteiligt. 

Wenig Anerkennung für die Frauen der IT 

Grace Hopper – mit ihrer Arbeit am Mark I Computer eine weitere Pionierin der Informatik – verglich ihren Job mit den Vorbereitungen eines Abendessens: „Man muss vorausplanen und alles so terminieren, dass es fertig ist, wenn man es braucht. Das geht nur mit Geduld und dem Blick für Details. Frauen sind Naturtalente im Programmieren.“ Ähnlich hoch war das Ansehen des Berufs. Die Programmiererinnen des ENIAC blieben stets Sub-6er (subprofessionelle weibliche Angestellte, die deutlich weniger verdienten als Männer) und gerieten kurz nach der Präsentation des ENIAC in Vergessenheit. Erst in den 1990er-Jahren wurden sie wiederentdeckt und erhielten als wichtige Frauen der IT die Anerkennung für ihre Arbeit. Ähnlich ging es Margaret Hamilton. Bis heute wissen nur wenige, dass sie mit dem von ihr entwickelten Computercode die Mondlandung 1969 erst möglich machte. Männer entdeckten die Domäne erst Anfang der 1980er-jahre mit dem Siegeszug der PC’s für sich.

Frauen und IT: Es fehlen Vorbilder 

Sind das fehlende Ansehen früher Zeiten und die mangelnde Wertschätzung der weiblichen Leistungen ein Grund, warum Frauen die IT heute mit einem negativen Image verbinden? Zumindest spielt der Mangel an Vorbildern eine Rolle. Das beginnt schon in der Familie. Laut einer Studie wird Mädchen fünfmal häufiger von einer MINT-Ausbildung (zu dem neben Informatik auch Mathematik, Naturwissenschaften und Technik gehören) abgeraten, als Jungen. Zudem ist die Vielfalt an Frauen aus den Bereichen Medizin, Erziehungs-, Sozial-, Sprachwissenschaften groß. Diejenigen die sich mit der Programmierung von Apps oder der Entwicklung und Pflege von IT-Systemen beschäftigt muss man dagegen suchen. Viele Mädchen und junge Frauen trauen sich trotz geeigneter Qualifikation den Weg in die Informatik nicht zu. Fehlender Zuspruch und das Gefühl, dass der Beruf nur etwas für Männer (und Nerds) ist, tragen dazu bei, Ängste aufrecht zu erhalten.

Es wird Zeit, Frauen und IT wieder zusammenzuführen

Die IT braucht jedoch Frauen, nicht nur weil Fachkräfte fehlen. Vielmehr sind gemischte Teams kreativer und arbeiten effektiver. Auch gibt es viele Anwendungen, die auf eine weibliche Zielgruppe ausgerichtet sind, jedoch von Männern entwickelt werden. Dies wirkt sich im Zweifelsfall negativ auf das Produkterlebnis aus. Durch die Dominanz des männlichen Blicks fehlen der IT wichtige Impulse.

Es wird also Zeit Frauen und IT wieder zusammenzuführen. Dazu braucht es einen Wandel der Rollenbilder und mehr starke Vorbilder, die den Nachwuchs aus der Deckung locken. Hier sind Bildungseinrichtungen, Eltern, Unternehmen und der Staat gleichermaßen gefragt. Denn nur wenn Mädchen früh für die Informatik interessiert und aktiv gefördert werden, nur, wenn ihnen deutlich gemacht wird, welche Chancen die Branche bietet, ist es möglich Frauen die IT als eine adäquate berufliche Perspektive aufzuzeigen.

Quellen:

1. https://www.deutschlandfunk.de

2. https://www.mpg.de

3. https://www.spiegel.de

4. https://sz-magazin.sueddeutsche.de

5. https://www.geo.de

6. https://www.derstandard.de

7. https://digitalisierungspraxis.de

8. https://www.eco.de

9. https://www.awacademy.de