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Der Klimastreik wird digital

Wie die Bewegung „Fridays for Future“ trotz Corona für ihre Ziele kämpft und warum die aktuelle Krise eine Chance für den Klimaschutz sein könnte.

Der Klimastreik wird digital

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Es ist noch kein Jahr her, da war der globale Klimastreik der Schwedin Greta Thunberg und ihrer Mitstreiter in aller Munde. Kein Freitag verging ohne protestierende Schülergruppen und kaum ein Medium kam ohne Berichte über die jugendlichen Aktivisten aus. Kein Weg führte an „Fridays for Future“ vorbei, denn sie waren nicht zu übersehen. Doch dann kam die Corona-Krise und um die Gruppe(n) wurde es leise. Die öffentlichen Zusammenkünfte, die den Kern der Bewegung bildeten, waren plötzlich nicht mehr möglich. Nun sieht es so aus, als sei der Protest erstarrt. Jedoch nur auf den ersten Blick, denn Thunberg und Co. haben sich andere Kanäle gesucht: Der Klimastreik ist jetzt digital.

Social Media verbreitet den Klimastreik weltweit

Damit schließt „Fridays for Future“ dort an, wo es begann: im digitalen Raum. Denn ohne Social-Media wäre Greta Thunberg heute immer noch ein einfaches Mädchen, das jeden Freitag mit einem Pappschild vor dem schwedischen Reichstag steht. Zwar wurde in den Zeitungen des Landes über ihren Klimastreik berichtet, dass Jugendliche von Schweden bis Italien, von Südamerika bis Asien und Afrika, also überall dort, wo das Klima sich verändert, ihrem Beispiel folgen ist Twitter, Instagram, YouTube und Co zu verdanken. Damit ist „Fridays for Future“ ein starkes Beispiel dafür, welche revolutionäre Kraft die Mittel der Digitalisierung entfachen können. Nicht umsonst wird das aktuelle Zeitalter auch als das der „digitalen Revolution“ bezeichnet und damit in eine Reihe mit den vorangegangenen, lebensverändernden industriellen Revolutionen gestellt.

Der Klimastreik: per Digitalisierung zur Massenbewegung

Veränderungen sind es auch, die die Teilnehmer des Klimastreiks fordern. Sie wollen Politik und Gesellschaft nachhaltig umformen und schöpfen dafür aus dem gesamten Potenzial der digitalen Möglichkeiten. Damit werden zuvor unüberbrückbar erscheinende Entfernungen überwunden und es entstehen neue Formen der Teilhabe. Dies macht es möglich, dass sich jeder auf seine Weise für das Klima einsetzen kann, ganz egal, woher man kommt. Sich zu organisieren war nie so leicht, genauso wie Menschen miteinander in Kontakt zu bringen – sowohl auf lokaler, wie auch auf internationaler Ebene. So nahmen im September 2019 mehrere Millionen Menschen weltweit am globalen Klimastreik teil. Allein in Deutschland fanden über 500 Demonstrationen statt. Eine Massenbewegung, die sich über Twitter, Facebook, WhatsApp und andere digitale Medien organisierte.

Corona vs. Klimastreik

Ob solche Veranstaltungen auch in diesem Jahr möglich sein werden, ist fraglich. Das Kontaktverbot verlegt die Demos in die eigenen vier Wände und den Klimastreik damit ins Netz. Denn auch, wenn Corona die Nachrichten dominiert und nicht mehr jeden Freitag über die Themen „Schule schwänzen“ und Klima diskutiert wird, sind Greta und ihre Mitstreiter nicht untätig. Sie kommunizieren über das Netz, etablieren Hashtags und streuen ihre Botschaft so digital über die ganze Welt. So gewannen sie Fachleute, die unter dem Hashtag #WirBildenZukunft faktenbasierte Informationen zum Thema Klimawandel vermitteln. Diese sind via Youtube und Twitter abrufbar und damit für jeden verfügbar.

Der Klimastreik wird digital

Außerdem starteten sie den #NetzstreikFürsKlima und verknüpften das Schlagwort mit zahlreichen Aktionen. Wer ihm beispielsweise auf Instagram folgt, sieht sichtbar platzierte Demonstrationsschilder, Videos von Aktivisten, die mit kreativen Aktivitäten auf ihre Ziele aufmerksam machen und noch mehr Informationen. Eine der größten Aktionen dieser Art schaffte es wiederum in die TV- und Printmedien: Demonstranten von Fridays for Future legten hunderte Plakate auf der Wiese vor dem Bundestag ab, um zu zeigen „Wir sind hier, wir sehen euch und wir kämpfen weiter für unsere Zukunft“. Das der Klimastreik immer noch in vollem Gange ist, bewiesen die Aktivisten im März, mit dessen erster digitalen Version. Zehntausende Menschen deutschlandweit folgten den Online-Demonstrationen per Live-Stream oder beteiligten sich aktiv. Musiker, Schauspieler, Wissenschaftler und Klimaaktivisten sendeten Botschaften, es wurde zu Zusammenhalt aufgerufen und dazu, die Ziele beständig voranzutreiben.

Gestärkt aus der Krise hervorgehen

Auch wenn die Corona-Krise es den Aktivisten und ihrem Klimastreik nicht leicht macht, sie sich die Aufmerksamkeit nun mit einem anderen, alles bestimmenden Thema teilen müssen, hat das Ganze etwas Gutes. Die Krise gibt der Forderung „Hört auf die Wissenschaft“ mehr Gewicht. Denn die letzten Monate beweisen, dass es geht. Plötzlich orientieren sich Politik und Wirtschaft eng an den Empfehlungen von Virologen und anderen Experten. Es werden unpopuläre Entscheidungen getroffen, harte Einschnitte vorgenommen und finanzielle Mittel frei gemacht – alles zum Schutz der Allgemeinheit. Bei beiden – Gesundheit- und Klimakrise – handelt es sich um existenzielle Herausforderungen, die mit allen Mitteln aufgehalten werden müssen. Genau diese Verknüpfung ist es, die laut Jugendforscher Klaus Hurrelmann dauerhaft gelingen muss, damit die Bewegung ihren Klimastreik trotzt „Corona-Knick“ effektiv weiterführen kann. Nach Meinung des Experten könnte „Fridays for Future“ daraus sogar gestärkt hervorgehen. 

Klimastreik digital und auf der Straße: „Ein Marathon!“

Die Aktivisten von „Fridays for Future“ arbeiten hart daran, denn ihre Meinung nach stehen sie erst am Anfang. Corona sei ein Problem, jedoch eines, das früher oder später gelöst sein wird. Die Gesundheitskrise sei ein Sprint, die Klimakrise dagegen ein Marathon. Deshalb setzen sie alles daran präsent zu bleiben und für ihren Klimastreik noch mehr Gleichgesinnte zu gewinnen. Und auch hier wird es wieder digital, denn ein Mittel der Wahl sind Apps. Dass diese Anwendungen eine großes verbindendes und klimaschutztechnisches Potenzial bergen, ist auch in anderen Bereichen bekannt. So gibt es zum Beispiel Apps, die dabei helfen Lebensmittelverschwendung zu vermeiden und so Ressourcen schonen. Andere bringen Menschen mit und ohne eigenes Auto zusammen, was den CO2-Ausstoß verringert, da weniger Fahrzeuge unterwegs sind. Und es gibt Apps, die alltägliche Vorgänge wie das Quittieren einfacher und nachhaltiger machen. Dazu gehört die Kassenzettelapp admin, mit der der Bon kontaktlos auf das Smartphone gesendet wird. Dadurch wird der Druck obsolet, Papier gespart und verhindert, dass giftige Chemikalien in die Umwelt gelangen.

Klimastreik auf dem Smartphone: das Potenzial von Apps 

Bei „Fridays for Future“ nutzt man das Potenzial der digitalen Anwendungen für die Bereiche Vernetzung und Kommunikation. So gibt es die „App for Future“. Sie bietet Veranstaltungsinformationen, Kontakte zu Ortsgruppen und informiert über Themen in den Gebieten Wissenschaft und Politik. Außerdem wird an einer weiteren App gearbeitet, mit der ganz ohne Grafikkenntnisse Material für Veranstaltungen, Social-Media-Aktivitäten und andere Kommunikationsanlässe erstellt werden kann. Alles in der einheitlichen CI der Bewegung. Deren Entwicklung wurde bereits vor dem „Lockdown“ begonnen und währenddessen verstärkt vorangetrieben. Denn ein wichtiger Baustein für den digitalen Erfolg des Klimastreiks ist die Sichtbarkeit. Wer in der digitalen Welt wahrgenommen und erfolgreich sein will, setzt auf Wiedererkennung und Bildsprache. Nur so ist garantiert, dass es auch so laut wird, wie auf den Straßen des Landes.

Quellen:

1. https://www.zdf.de

2. https://www.fr.de

3. https://www.horizont.net