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Papier schlägt Plastik: (k)eine einfache Rechnung

Warum Papier nicht die letzte Alternative zur Plastikverpackung ist.

Papier schlägt Plastik: (k)eine einfache Rechnung

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Plastik gilt als eines der größten Probleme unserer Zeit. Kaum ein Produkt, das nicht in Kunststoff gehüllt im Supermarktregal liegt. Während es bei einigen Produkten kaum Verpackungsalternativen gibt, nimmt der Plastikwahn an anderen Stellen fast schon groteske Züge an. So werden Bananen und Apfelsinen von ihrer Schale befreit und statt in der eigenen, biologisch abbaubaren Verpackung, in Folie eingeschweißt und auf beschichtete Schälchen gebettet. Bio Obst und Gemüse liegt von Cellophan umhüllt neben seinen „nackten“ Pendants aus herkömmlichem Anbau. Nicht umsonst wurde die plastiküberzogene Biogurke zu einem Symbol des widersprüchlichen Umgangs mit den Themen Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit im Einzelhandel.

Doch mit der für den Einzelhandel produzierten Verpackung hört es nicht auf: Einwegbesteck und -geschirr, Plastikstrohhalme, kunststoffbeschichtete Coffee-to-Go-Becher, inklusive PET-Deckel und Umrührstäbchen aus dem gleichen Material, schwimmen neben bunten Plastiktüten durch die Meere und häufen sich gemeinsam mit dem Verpackungsmüll in manchen Regionen regelrecht in der Landschaft. Doch auch in Ländern mit einer gut organisierten und geregelten Abfallentsorgung wird man den Massen aus Kunststoff nur schwer Herr. So wird nur ein Bruchteil recycelt (rund 30 Prozent), wovon wiederum die Hälfte zur Weiterverarbeitung in Länder außerhalb der EU exportiert wird, womit man das Problem lediglich an einen anderen Ort verschiebt. Da sich Kunststoff nur sehr langsam zersetzt (eine PET-Flasche braucht ca. 450 Jahre), kann auch nicht darauf gewartet werden, dass die Natur selbst das Problem löst. Manche Forscher gehen sogar davon aus, dass Plastik gar nicht aus dem natürlichen Kreislauf verschwindet, sondern nur immer kleiner wird. Das so entstehende Mikroplastik stellt eine zusätzliche Belastung für Mensch, Tier und Umwelt dar.

Ist Papier wirklich unbedenklich?

Es braucht also Alternativen jenseits von PET. Beim Verbraucher beliebt, und vom Einzelhandel deshalb immer häufiger angeboten, ist Papier. Hergestellt aus natürlichen Rohstoffen, biologisch abbaubar und günstig, gelten Papiertüte und Co. als ökologisch vorbildlich und deshalb als nachhaltige Option. Betrachtet man jedoch den Herstellungsprozess, wird deutlich, dass der Umgang mit Papier ebenso kritisch überdacht werden muss, wie der mit Plastik. Denn laut Umweltbundesamt belastet die Herstellung von Papier die Umwelt erheblich, da während der Produktion Unmengen an Energie und Wasser zum Einsatz kommen. Zudem wird viel Holz benötigt, das als Grundstoff jeglicher Art von Papier dient. Dadurch, dass sich der Papierverbrauch seit den 70er Jahren beinahe verdoppelt hat, und vor allem Asien langsam aufholt, werden immer mehr Ressourcen benötigt, um den Bedarf zu decken. 


Gemeinsam mit der Schweiz, Österreich und Liechtenstein gehört Deutschland mit mehr als 200 Kilogramm Papier pro Kopf zu den Topverbrauchern. Das Schlimme daran: Rund 90 Prozent des Papiers hat nur eine sehr kurze Lebensdauer. Dazu zählt beispielsweise Kopierpapier ebenso, wie die alternativen Verpackungen des Einzelhandels. Das ist insofern problematisch, als das die Papierherstellung im Grunde unökologisch ist. So werden etwa 7,5 Kilogramm Holz, 130 Liter Wasser und fast 27 Kilowattstunden Energie benötigt, um ein Päckchen Kopierpapier á 500 Blatt herzustellen. Hinzu kommen zahlreiche Chemikalien und Bleichmittel, die nicht selten an irgendeiner Stelle des Produktions- und Recyclingkreislaufes in die Umwelt gelangen. Doch damit nicht genug: Um den hohen Bedarf an Rohstoffen zu decken und gleichzeitig günstig produzieren zu können, greifen nicht wenige Hersteller auf schnell wachsendes Holz wie Akazie oder Eukalyptus zurück. Diese werden jedoch auf ehemaligen Regenwaldflächen angebaut, die für die Papierproduktion entweder extra gerodet, zumindest aber nicht mehr ökologisch wertvoll aufgeforstet werden. Ein Problem, das übrigens auch in anderen Regionen immer mehr an Brisanz gewinnt, denn während sich die Blicke vor allem Richtung brasilianischem Regenwald richten, sind die Urwälder in Kanada und Sibirien ebenso wichtig für das Weltklima und ebenso gefährdet.

Papier oder Plastik: Einzelhandel und Verbraucher entscheiden gleichermaßen

Muss man nun also eine Wahl treffen zwischen Papier und Plastik, wie soll sie ausfallen? Was den ökologischen Fußabdruck auf lange Sicht angeht, liegt der Kunststoff sicherlich weit abgeschlagen hinten. Auch wenn die Kunststofflobby immer wieder versucht diesen Umstand anders zu verkaufen. Oft auch mit Hinweis auf die Ökobilanz der Papierherstellung. So benötigen Produktion der vom Einzelhandel angebotenen Papiertüten ein vielfaches an Energie, wie eine ebenso große Plastiktüte. Dennoch sollte mit Papier ebenso sorgsam umgegangen werden, wie mit Kunststoffen. Jeder sollte sich bewusst sein, dass auch das vordergründig umweltfreundliche, biologisch abbaubare Papier Ressourcen bindet. Elementare Ressourcen, die eigentlich geschont werden müssen. 

Richtig wäre demnach ein Verzicht auf beiden Seiten: der auf überflüssige Plastikverpackungen und Plastiktüten, ebenso wie der auf Papierprodukte, die nicht wirklich notwendig sind. Dazu gehört zum Beispiel der Kassenbon, der ab 2020 nicht nur im Einzelhandel Pflicht werden soll. Kaum jemand braucht das Stück Papier wirklich, und trotzdem wird es einem bei jedem Einkauf in die Hand gedrückt. Wer die Annahme verweigert, sieht den Zettel direkt von der Kasse in den Mülleimer wandern. Bei der Buchhaltung sind die Thermopapierblättchen ebenfalls unbeliebt, da sie verblassen und zusätzlich Kopien angefertigt werden müssen – also noch mehr Papier verbraucht wird. 

Der digitale Kassenbon als ökologische Alternative zu Papier im Einzelhandel

Während das papierlose Büro sich nur schleppend durchsetzt und Druckerzeugnisse besonders im werblichen Bereich nach wie vor beliebt sind, gibt es für den alltagsrelevante Papierbon eine einfache technische Lösung: den digitalen Kassenzettel, wie ihn die App admin möglich macht. Mithilfe der Anwendung wird die Quittung kontaktlos von der Kasse direkt auf das Smartphone des Kunden übertragen. Dieser enthält alle relevanten Daten, wodurch er für den Nachweis beim Finanzamt ebenso gültig ist, wie bei der Inanspruchnahme von Garantien. Und noch einen Vorteil hat der digitale Kassenbon: Der Verbrauch von Thermopapieren im Einzelhandel kann deutlich reduziert werden. Zusätzlich zu den bereits genannten Defiziten in der Papierproduktion verursachen Thermopapiere noch weitere Probleme. Im Gegensatz zu „normalem“ Papier kann Thermopapier nicht recycelt werden. Schuld ist der Entwickler, der gesundheitsgefährdende Bisphenole enthält, die für Mensch und Tiere gleichermaßen schädlich sind. Gelangt Thermopapier in den Recyclingkreislauf, gelangen diese chemischen Verbindungen in die Gewässer und reichern sich so in der Umwelt an. Ein Grund mehr also, den eigenen Umgang mit Papier genauso intensiv zu überdenken, wie den mit Plastik.

http://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/20181212STO21610/plastikmull-und-recycling-in-der-eu-zahlen-und-fakten

https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/verrottet-plastik-gar-nicht-nur-sehr-langsam

https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/haushalt-wohnen/papier-recyclingpapier#textpart-2

https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf57/32.pdf

https://zwischenbetrachtung.de/2019/06/12/fuenf-fragen-ueber-papier/