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„Der Druck vonseiten des Verbrauchers wächst“

Im folgenden Beitrag gibt Prof. Dr. Thomas Hanke einen Überblick über den Stellenwert der Nachhaltigkeitsfrage in der Logistik und zeigt Chancen sowie Kritikpunkte der Digitalisierung auf.

17. Juni 2019 Lesezeit ca. 4 Min.
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„Der Druck vonseiten des Verbrauchers wächst“

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Prof. Dr. Thomas Hanke ist stellvertretender Direktor am Institut für Logistik- und Dienstleistungsmanagement der FOM Hochschule für Oekonomie und Management in Essen. In seinen Forschungen betrachtet er die Möglichkeiten und Chancen einer innovativen und nachhaltigen Logistik. Des Weiteren untersucht und entwickelt er mit seinem Team Dienstleistungskonzepte in den Bereichen Bildungs- und Qualifizierungsmanagement, Sustainability, Internationalisierung, Prozessmanagement sowie Qualitätsmanagement.

Laut Thomas Hanke ist das Thema Nachhaltigkeit in der Logistik auf vielen Ebenen präsent. Dabei geht es jedoch nicht nur um den rein ökologischen Aspekt, sondern auch um soziale Nachhaltigkeit. Daraus resultiert die Frage, wie der Mensch sich in der neuen, von der Digitalisierung geprägten Umwelt bewegt und wie man die entstehenden Effekte im Sinne aller nutzen kann. So wird an der FOM aktuell in dem durch EFRE NRW geförderten Projekt ADINA geforscht, das sich mit der ergonomischen Unterstützung der Mitarbeiter in der Kommissionierung beschäftigt. Mit der Untersuchung von auf den Träger angepassten Hilfsmitteln (zum Beispiel Exoskelette) und Automatisierungslösungen wird hier mit Partnern aus Forschung und Praxis der Frage nachgegangen, wie zum Beispiel Kommissionier- und Lagertätigkeiten körperlich weniger anstrengend gestaltet werden können. 

Prof. Dr. Thomas Hanke (Bild: Sven Schöppe/innowise)

Soziale Nachhaltigkeit: Die Digitalisierung zum Vorteil aller Seiten nutzen

Soziale Nachhaltigkeit steht auch beim Projekt DIAMANT im Fokus. Darin wird erforscht, wie die aufkommende digitale Arbeitswelt innovativ organisiert und gestaltet werden kann. Und zwar zum Vorteil beider Seiten: von Unternehmen und Beschäftigten. Das Projekt unter Leitung der Universität Trier, Fachbereich Soziologie, wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert und kooperiert mit Unternehmen, Experten und Hochschulen in ganz Deutschland. Darunter auch die Unternehmen Balcke-Dürr, BOGE und REWE sowie die FOM Hochschule Essen, die Universität Bremen und die Universität Duisburg-Essen mit den beteiligten Instituten bzw. Fachbereichen für Logistik Personalwesen und Software Engineering. 

Ziel des Projekts ist es, die Organisationsstruktur eines Unternehmens so zu strukturieren, dass die Mitarbeiter an der Integration der Digitalisierung aktiv teilhaben können. Damit soll der übliche Top-Down-Prozess ersetzt werden, der verhindert, dass Mitarbeiter die Neuerungen annehmen. Jedoch ist genau dies notwendig, damit neue Technologien erfolgreich im Betrieb integriert werden können. Untersuchungen zeigen, dass eine solche Akzeptanz nur dann stattfindet, wenn die Mitarbeiter in die Umgestaltung eingebunden werden. Dies ist umso wichtiger, als das die Einführung von digitalisierten Arbeitsprozessen auch zu neuen Anforderungen an die Mitarbeitenden führt. 

Prof. Dr. Thomas Hanke (Bild: Sven Schöppe/innowise)

Ökologische Nachhaltigkeit: Den Anfang machen und Innovationen schaffen 

Neben der sozialen Komponente spielt in der Logistik natürlich auch die ökologische Nachhaltigkeit eine große Rolle. Durch die Steigerung der Ökoeffizienz, einer sinnvollen Gestaltung von Lieferketten und der Förderung von Elektromobilität sollen nachhaltige Effekte kreiert werden. Zudem gilt es laut Thomas Hanke die Wechselwirkungen von nachhaltigem Konsum und Produktion zu betrachten. „Es ist die alte Frage: Was war zuerst da? Das Huhn oder das Ei? Wo muss zuerst etwas passieren? Braucht es zunächst die Nachfrage des Konsumenten oder muss der Markt aktiv Alternativen anbieten, von denen der Konsument vorher vielleicht gar nicht wusste?“ Ein Problem, das Hanke im Rahmen seiner Forschung näher untersucht.  

Die Kassenzettel-App admin des Bremer Unternehmens A & G sieht er als gutes Beispiel dafür, wie nachhaltige Innovationen von Unternehmensseite aus vorangetrieben werden können. „A & G hat ein Angebot entwickelt, das es so bisher nicht gab, und hat damit gezeigt, was durch Digitalisierung möglich ist“, fasst Thomas Hanke zusammen. Immer stehe die Frage im Raum: Wie kommt das Neue in die Welt? Nehmen wir zum Beispiel die Erfindung des 3-D-Druckers oder Elektroautos. „Bevor man diese Ideen umgesetzt hat, konnte sich niemand vorstellen, dass es so etwas geben könnte. Für ein Unternehmen und die Konsumenten ist die Entwicklung beziehungsweise Nutzung eines solchen Produktes ein Lifestyle-Statement. Größer gesehen kann man sich als Avantgarde, Taktgeber, Game-Changer und Visionär betrachten“. 

Als zusätzliches Feature des Mobile-Payment hängt der Erfolg des digitalen Kassenzettels auch an dem des bargeldlosen Bezahlens. „Deutschland tut sich da noch schwer“, weiß Hanke. In anderen Ländern sehe das anders aus. In China würde auch auf den Wochenmärkten per Smartphone gezahlt. Selbst Straßenmusiker bekämen von Passanten über einen QR-Code die Kleinbeträge direkt aufs Konto transferiert. „Jedes kleine Büdchen und jedes Taxi bietet dort eine digitale Bezahlfunktion an und selbst die Oma zahlt per Smartphone.“ 

Aber auch in Deutschland erkennt Thomas Hanke ein langsames Umdenken. Die Nachfrage sei da, doch würden die Banken träge reagieren und viel Zeit mit dem Prüfen der möglichen Angebote verschwenden. „Menschen wechseln heutzutage ihre Bank, weil sie keine digitale Bezahlfunktion angeboten bekommen. Der Druck vonseiten der Verbraucher wächst also merklich.“ 

Die Möglichkeiten der Digitalisierung sinnvoll und sicher nutzen

Trotz aller Vorteile und Entwicklungschancen durch die Möglichkeiten der Digitalisierung sieht Hanke auch Kritikpunkte. So sei der 3-D-Drucker eine innovative Erfindung, die neue Möglichkeiten eröffnet, doch welche Auswirkungen ein unreguliertes Drucken hat, ist bisher nicht abzusehen. „Wie sieht es mit der Qualität der Produkte aus, die mit dem Drucker ohne viel Aufwand hergestellt werden können? Welche Auswirkungen hat das massenhafte Drucken überhaupt?“ 

Auch das digitale Quittieren betrachtet er von zwei Seiten. Auf der einen steht der ökologische und gesundheitliche Aspekt, denn durch die Verwendung des digitalen Kassenzettels wird kein Papier mehr verschwendet und damit Ressourcen geschont. Auch das Problem der Chemikalien, die über direkten Kontakt schädlich sind und sich durch falsche Entsorgung in der Umwelt anreichern, ist mit dem papierlosen Bon gelöst. „Doch wie steht es um den Datenschutz?“ Diesen Aspekt betrachtet Thomas Hanke als ausschlaggebend dafür, ob das digitale Quittieren vollumfänglich positiv betrachtet werden kann. „Für den Händler ist die Erhebung von Daten natürlich interessant, da anhand dieser das Nutzungs- und Kaufverhalten der Kunden analysiert und die eigenen Angebote darauf zugeschnitten werden können.“ Dies sei jedoch nur legitim, wenn ein DSGVO-konformer Datenschutz mit einer Anonymisierung der Daten gegeben sei. Sind diese Fragen zufriedenstellend geklärt und läuft das System reibungslos, könnten mithilfe des digitalen Quittierens die Kosten in diesem Bereich für Unternehmen im Schnitt gedrittelt werden, weiß Hanke.