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TSE: der neue gesetzliche Standard für Registrierkassen

Warum Kassen abgesichert werden müssen und wie technische Sicherheitseinrichtungen funktionieren.

TSE: der neue gesetzliche Standard für Registrierkassen

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Jährlich werden in Deutschland rund 125 Milliarden Steuern unterschlagen. Eine immense Summe, die dem Staat und so auch seinen Bürgern verloren geht. Mithilfe der Kassensicherungsverordnung (KassenSichV) soll damit ab sofort Schluss sein – zumindest was den Steuerbetrug bei Bargeldgeschäften betrifft. Denn bisher war es bei vielen elektronischen Kassen möglich bereits eingegebene Buchungen wieder zu löschen oder zu verändert. Eine zusätzliche technische Sicherheitseinrichtung (TSE) und die seit Januar 2020 geltende Bonpflicht sollen dies zukünftig verhindern. Damit ist Deutschland eines der letzten EU-Länder, das die sogenannte Fiskalisierung von Registrierkassen umsetzt.

TSE: Deutschlands Lösung für die Fiskalisierungsbemühungen der EU

In Italien werden bereits seit Anfang der 80er-Jahre Fiskalspeicher genutzt, die sich in einem Drucker befinden. So kann jede Transaktion dauerhaft und unveränderbar aufgezeichnet werden. In Schweden, Belgien und Portugal geht man noch weiter: Dort werden die Buchungsdaten nicht nur aufgezeichnet und gespeichert, sondern auch gleich an das Finanzamt gesendet. Deren Mitarbeiter können so in Echtzeit kontrollieren, ob alles mit rechten Dingen zugeht. In Deutschland setzt man auf TSE um eine nachträgliche Veränderung der Umsatzdaten zu unterbinden. Manipulationsversuche können anhand eines exportierten Journals identifiziert werden, und zwar indem dieses mit einer Prüfsoftware auf Unstimmigkeiten und Lücken überprüft wird. Doch ganz egal, welche Form der Absicherung vorgeschrieben ist: Alle folgen dem Grundprinzip der nahtlosen Aufzeichnung und geschützte Aufbewahrung aller Umsatzdaten.

Doch wie funktioniert TSE genau?

Das TSE erfasst vom ersten Tastendruck an alle Eingaben in die Kasse. Die Daten werden in Echtzeit verschlüsselt und dauerhaft gespeichert. Wichtig bei der Verschlüsselung ist, dass jede Transaktion eine eigene Nummer erhält. Diese muss eindeutig und fortlaufend sein und darf sich niemals wiederholen – auch dann nicht, wenn zwei verschiedene Vorgänge von zwei Kassen ausgeführt werden. So benötigt jede einzelne Buchung eine originäre Signatur. Bei deren Erstellung fließen nicht nur Bestandteile des aktuellen Belegs hinein, auch die Signatur des vorherigen Belegs wird mit herangezogen. Das garantiert eine konstante Abfolge, eine Kette, die lediglich durch Eingriffe von außen unterbrochen wird. Das macht Manipulationsversuche schnell sichtbar. 

Wie kommen TSE und Kasse zusammen?

Über eine einheitliche digitale Schnittstelle wird das TSE an die elektronische Registrierkasse angeschlossen. Neben dem verschlüsselnden Sicherheitsmodul muss das TSE ein Speichermedium besitzen, auf dem die Aufzeichnungen bis zum Ende der gesetzlichen Aufbewahrungspflicht sicher verwahrt werden. Dabei kann es sich um einen Stick handeln, der in den USB- oder Ethernetport von Kasse oder Drucker gesteckt wird. Oder das TSE wird in Form einer SD- Karte installiert. Selbst Cloud basierte Lösungen sind möglich. Im Rahmen der Technologieoffenheit lässt der Gesetzgeber hier eine gewisse Wahlfreiheit zu, was gut ist, denn es gibt Kassensysteme, die keinen vollwertigen Anschluss besitzen. Sie können weder Stick noch Karte aufnehmen. iPads oder Kassen die an einem Server hängen sind Beispiele dafür. Durch Funkverbindungen oder ein lokales Netzwerk können diese Kassen trotzdem die notwendigen Signaturen erhalten. Allerdings sind diese Varianten fehleranfälliger als reine Hardwarelösungen: Wenn das Internet ausfällt oder es Netzwerkprobleme gibt, wird die Verbindung zwischen Kasse und TSE-Modul unterbrochen. Dadurch ist eine fehlerfreie Verschlüsselung nicht mehr gewährleistet.

Ein TSE muss durch das BSI zertifiziert werden

Offizieller Start der KassenSichV war der 1. Januar 2020. Doch je näher dieser Stichtag kam, umso deutlicher wurde, dass das Gesetz an diesem nicht vollumfänglich in Kraft treten kann. Das Problem: Lange gab es kein TSE das vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert worden war. Keines der Modelle auf dem Markt erschien ausgereift genug. Ohne Zertifizierung jedoch kein zugelassenes TSE, und ohne dieses keine rechtskonforme Kasse… Erst kurz vor Jahresende erhielten einige wenige Lösungen das begehrte Siegel. Ab diesem Moment konnten die Kassenhersteller beginnen das TSE in ihre Registrierkassen einzubauen bzw. ihren Kunden eine Möglichkeit zur Nachrüstung anzubieten. 

Nichtaufgriffsregelung räumt Zeit ein, um TSE nachzurüsten

Dass die bundesweite Aufrüstung der Kassen viel Zeit in Anspruch nehmen wird, ist auch dem Gesetzgeber klar. Zwar gibt es keine offizielle Übergangsfrist mehr, doch wurde vom Bund und den Länderfinanzverwaltungen eine sogenannte Nichtaufgriffsregelung bis zum 30. September 2020 vereinbart. Das bedeutet, dass elektronische Kassensysteme die vor diesem Zeitpunkt über kein TSE verfügen, nicht beanstandet werden. Erst danach werden die Kontrollen härter. Bis dahin soll die allgemeine Belegpflicht, auch Bonpflicht genannt, die KassenSichV einleiten. Diese wird bundesweit heftig kritisiert, eine Abschaffung steht bisher jedoch in den Sternen. Allerdings gibt es Lösungen, die den Umgang mit dem ungeliebten Übel erleichtern. Dazu gehört die Kassenzettelapp admin, mit der der Bon digital von der Kasse direkt auf das Smartphone des Kunden gesendet werden kann. 

Einen noch längeren Aufschub gibt es für elektronische Kassensysteme die zwischen dem 25. November 2010 und dem 31. Dezember 2019 angeschafft wurden und bauartbedingt nicht aufgerüstet werden können. Diese müssen erst bis zum 31. Dezember 2022 gegen ein TSE fähiges Modell ausgetauscht werden.

Quellen:

1. www.bsi.bund.de

2. www.kassensichv.com

2. www.gastgewerbe-magazin.de