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Avatar Dipl. Ing. Patric Opitz

Es gibt definitiv eine Gefährdung – es spricht nur kaum jemand darüber

Patric Opitz ist Versorgungstechnikingenieur und Geschäftsführer vom Zentrum für Luft- und Trinkwasserhygiene (kurz LTZ). Opitz kennt das Problem der bisphenolhaltigen Thermopapiere und äußert sich im Folgenden zu diesem Thema.

29. August 2019 Lesezeit ca. 3 Min.
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Es gibt definitiv eine Gefährdung – es spricht nur kaum jemand darüber

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Seit 2013 hat sich das LTZ auf die Überprüfung der Sicherheit und Hygiene von Lüftungsanlagen und Trinkwassersystemen spezialisiert. So kontrolliert der geprüfte Raumluftqualitätsmanager, ob Lüftungsanlagen hygienisch einwandfrei betrieben werden. Auch Kühltürme stehen im Fokus der Experten. Dabei geht es in erster Linie um technische Kälteanlagen für die Industrie, Verwaltungs- und Krankenhausgebäude – also Bereiche in denen sich viele Menschen aufhalten. „Es gibt geschlossene und offene Anlagen. Bei Letzteren besteht bei schlechter Wartung und Instandhaltung die Gefahr, dass sich Bakterien wie z.B. Legionellen ansiedeln und vermehren“, erklärt Opitz. Diese würden über Aerosole – kleinste Wassertröpfchen – in die Umgebung gelangen, was zu schweren Lungenentzündungen führen kann. „Wir wollen solche Fälle wie 2010 in Ulm und 2013 in Warstein verhindern“.

Wer Wasser in Lebensmittelqualität will, darf nicht sparen

Die Gefahr von Infektionen durch Legionellen ist bekannt. Ebenso, wie man dem am besten vorbeugen kann. „Aufgrund eines erhöhten Komfortbedürfnisses gibt es inzwischen immer mehr Zapfstellen im Haus. Darunter auch Duschen (in der Sauna oder am Pool), die nur wenige Male im Jahr genutzt werden. In diesen Leitungsabschnitten stagniere das Wasser und Bakterien vermehren sich. Das könne verhindert werden, indem das Wasser regelmäßig ausgespült wird, also jede Zapfstelle regelmäßig spätestens alle 3 Tage genutzt würde. Auch für Zapfstellen, die öfter genutzt werden wie zum Beispiel in der Küche oder im Bad gilt, dass das Wasser einem natürlichen Alterungsprozess unterworfen ist. Wer Wasser in Trinkwasserqualität, also mehr als Lebensmittelqualität erhalten will, muss laut Patric Opitz folgenden Grundsatz beherzigen: „Kaltes Wasser muss kalt sein, heißes Wasser heiß“. Wasser zu sparen mache keinen Sinn, wenn man Qualität wolle, erklärt Opitz. Das Umweltbundesamt empfiehlt sogar, das Wasser laufen zu lassen, um es gefahrlos trinken zu können. Demnach dürfen nicht mehr als vier Stunden vergangen sein, seit das Wasser in den Leitungskreislauf im Haus eingetreten ist. „Das bedeutet, dass man das Wasser bis zur Temperaturkonstante abfließen lässt“. Das hat den Vorteil, dass nicht nur Bakterien herausgespült werden, auch Nickel- oder sonstige Ablagerungen, die sich im stehenden Nass anreichern können, verschwinden in den Abfluss. Das sei vor allem für Allergiker wichtig, die schon auf kleinste Spuren des Elements reagieren.

Bisphenole reichern sich im Wasserkreislauf an

Ein anderes Problem dagegen steht nur teilweise im Fokus der Öffentlichkeit: Bisphenole. Diese chemischen Verbindungen entfalten im Körper eine hormonähnliche Wirkung und können so zu Entwicklungsstörungen und Krebserkrankungen führen. Die Problematik würde noch häufig als theoretische Gefährdung verbucht, weil ein Gros des Hausmülls verbrannt werde, erklärt Opitz. Schwierig sei es jedoch, wenn Thermopapiere ins normale Altpapier gelangen. Dazu gehören zum Beispiel Kassenzettel, die oft in die Recyclingtonne gegeben werden, anstatt in den Hausmüll. „Bei Recyclingvorgang wird viel Wasser eingesetzt, wodurch das Bisphenol aus dem Papier herausgewaschen wird und sich im Wasserkreislauf anreichern kann“, erklärt er. Das läge daran, dass die Abwässer nicht noch mal extra auf diese Schadstoffe hin überprüft und gereinigt würden. „Es gibt definitiv eine Gefährdung – es spricht nur kaum jemand darüber“, so Opitz. Das sieht auch das Umweltbundesamt so und hat schon vor Längerem davor gewarnt, dass Thermopapiere nicht recyclingfähig sind.

Mit dem digitalen Kassenzettel der Bisphenol-Problematik aktiv entgegenwirken

Anwendungen wie die Kassenzettel App admin betrachtet Patric Opitz deshalb als sinnvoll, auch wenn er selbst nicht immer gleich jede neuste technische Weiterentwicklung nutzt. „Ich bin dabei kein Vorreiter und bevorzuge erprobte Strukturen“. Er arbeite lieber in bekannten Systemen, auch weil ihm die Zeit fehle, sich immer wieder neu einzuarbeiten. ApplePay und Co würde er zum Beispiel bisher nicht verwenden, wohl aber PayPal. Aber Interesse am digitalen Kassenbon bestünde auf jeden Fall. „Wenn es die Möglichkeit gibt, auf den Einsatz der gedruckten Zettel zu verzichten, dann finde ich das eine gute Idee“, so Opitz. Voraussetzung sei, dass die App zuverlässig funktioniere und man die Daten problemlos an die digitale Buchhaltung weitergeben könne, wo sie seitens der Finanzämter auch anerkannt werden müssten.