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Schüler mit Computer in der Klasse
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Warum der Digitalpakt nur ein Anfang ist

Kritiker warnen: Die rein technische Digitalisierung der Schulen vernachlässigt den Bildungsaspekt.

Warum der Digitalpakt nur ein Anfang ist

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Digitalisierung ist das Thema unserer Zeit. Die erste Generation „Digital Natives“ ist bereits erwachsen, die zweite wächst heran. Doch obwohl der Umgang mit Smartphone, Internet und Co. zur Normalität gehört, hängt das Bildungssystem hinterher. Das gilt sowohl für die Ausstattung der Schulen, wie auch für das Bildungskonzept. Dass es notwendig ist, frühzeitig grundlegende Kompetenzen im Umgang mit der digitalen Welt zu vermitteln ist bekannt, trotzdem wird dies nur langsam in den Lehrplänen verankert. Durch den Digitalpakt kommt nun Bewegung in das Thema „Digitalisierung und Bildung“. 

Der Digitalpakt sorgt für die technische Infrastruktur

Mit der Änderung des Grundgesetzartikels 104c ebnete die Bundesregierung den Weg für die Digitalisierung der Schulen. Im Rahmen des Digitalpakts (DigitalPakt Schule) werden 5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, verteilt auf fünf Jahre. Die Gelder sollen helfen, die technische Ausstattung der Bildungseinrichtungen auf den neusten Stand zu bringen. Mit dem Digitalpakt wird zwar eine technische Grundlage geschaffen, andere Aspekte jedoch nicht berücksichtigt. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk äußert Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, die Befürchtung, dass es Probleme geben wird, die neue Technik in den Unterricht einzubauen. Auch reiche die Investitionssumme nicht aus, um die Wartung der Geräte zu garantieren. ¹

Schüler lernen gemeinsam im Klassenraum

Digitalpakt berücksichtigt die pädagogische Ebene nur am Rande

Laut des OECD-Experten für Bildung Andreas Schleicher sei die Ausstattung nur ein erster Schritt. Um wirksam damit zu arbeiten, müsste eine entsprechende Lernumgebung geschaffen werden. Hinzu kommt die Notwendigkeit, die Lehrkräfte zu qualifizieren.¹ Ein Aspekt, dessen Fehlen auch die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) bemängelt. In ihrer Stellungnahme zum Digitalpakt weist die GMK darauf hin, dass die Bildung der Lehrenden im Bereich Digitalisierung ebenso wichtig sei, wie die Entwicklung schulischer Medienbildungskonzepte und verbindlicher Lehrpläne. Ohne Einbindung der pädagogischen Ebene bestehe die Gefahr, dass die Investitionsmaßnahmen ins Leere laufen. ²

Bildung digital? Die Chancen des Digitalpakts werden nicht ausgeschöpft

Es muss also nicht nur in die technische Infrastruktur investiert werden: Das gesamte Bildungskonzept bedarf einer Überholung. Die Grundgesetzänderung im Rahmen des Digitalpakts macht es möglich, doch werden die Chancen nicht genutzt. Neben der Anwendung von Tablet, Whiteboard, Virtual Reality und Co. ist es die Medienkompetenz, die im Zeitalter der Digitalisierung im Zentrum stehen muss. „Digitale Lehre ist nicht gleichbedeutend mit Bildung für die digitale Welt“, stellt Prof. Dr. Susanne Hensel-Börner fest. ³ Es geht darum den Schülern beizubringen, wie man im Internet recherchiert, wie man Informationen, die man aus diesem Wissenspool schöpft, kritisch hinterfragt und einordnet. Wer im Zeitalter der Digitalisierung aufwächst, muss wissen, was Filterblasen sind, sollte „Fake News“ identifizieren und entscheiden können, welche Informationen er im Netz preisgibt. Was steckt hinter den zahlreichen Social-Media-Angeboten, Anwendungen und Services und wer sind die Nutznießer der gesammelten Daten? „Es geht um die Frage, wie es das Bildungssystem hinbekommt, junge Menschen zu medienmündigen Bürgern zu erziehen“, fasst das politische Kulturmagazin Cicero in einem Artikel zum Digitalpakt zusammen.

Bildung für die digitale Welt: Ist ein Digitalpakt 2.0 notwendig?

Dafür braucht es keine komplette Digitalisierung des Unterrichts. Zwar ist laut GMK eine gute Technikausstattung wichtig, um in einer von der Digitalisierung geprägten Welt mitzuhalten, sich jedoch darauf zu konzentrieren, ist zu kurz gedacht. Beim Thema Digitalisierung und Bildung geht es also um mehr als um Laptops und Tablets im Klassenzimmer: Es geht um eine umfassende Medienbildung, die fit für die Herausforderungen der digitalen Welt macht und darum Schülern Kompetenzen an die Hand zu geben, die ihnen eine Orientierung in dieser sich schnell entwickelnden Welt ermöglichen. Dafür braucht es einen Digitalpakt 2.0.

Quellen:

1. https://www.deutschlandfunk.de/digitalpakt-schule-theorie-gut-praxis-mangelhaft.1773.de.html?dram:article_id=441513

2. https://www.gmk-net.de/2019/04/30/stellungnahme-der-gmk-zum-digitalpakt-schule/

3. https://newsroom.adminapp.de/digitalisierung-und-nachhaltigkeit-susanne-hensel-boerner/

4. https://www.cicero.de/kultur/digitalpakt-schule-entscheidender-als-hard–und-software-ist-medienmundigkeit