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Was ist ein ökologischer Fußabdruck?

20. Januar 2021 Lesezeit ca. 3 Min.
Eine Person, die Spuren im Schnee hinterlässt - symbolisch für unseren ökologischen Fußabdruck

Was ist ein ökologischer Fußabdruck?

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Der ökologische Fußabdruck wurde als Indikator für Nachhaltigkeit Mitte der 1990er von Mathis Wackernagel und William Rees entwickelt. Im Prinzip kann man sich darunter eine Art Buchhaltungssystem für Umweltressourcen vorstellen. Auf der einen Seite steht die Biokapazität, welche wir gemessen in globalen Hektar nutzen. Darunter fallen beispielsweise Bauland, Viehzucht, Energiegewinnung und Abfall. Auf der anderen Seite steht die Fläche des Planeten. Wenn man die beiden Seiten miteinander vergleicht, diesen Flächenverbrauch auf alle Menschen hochrechnet und mit der real verfügbaren Fläche vergleicht, erhält man eine Angabe darüber, wie stark die natürlichen Ressourcen beansprucht werden und, wie viele Erden wir bei unserem derzeitigen Verbrauch benötigen würden.

Bis zum Jahr 1970 haben wir weniger Ressourcen genutzt, als uns theoretisch zur Verfügung gestanden hätten. Doch seitdem verbrauchen wir jedes Jahr mehr Biokapazität, als uns die Ökosysteme langfristig bereitstellen können. In unserem vorgestellten Buchhaltungssystem häufen wir also immer weiter Schulden an.

Unser ökologischer Fußabdruck

Theoretisch stünden uns 1,70 globale Hektar zur Verfügung. Derzeit liegt der durchschnittliche deutsche Fußabdruck bei etwa 5 globalen Hektar. Demnach leben wir gerade so, als stünden uns Ressourcen von fast 3 Erden zur Verfügung. Das Konsumverhalten der gesamten Weltbevölkerung sorgt für ein Defizit, welches sich nur mit etwa 1,7 Erden ausgleichen lassen würde. In Bangladesch liegt der durchschnittliche Fußabdruck dagegen nur bei 0,80 globalen Hektar und in Äthiopien bei 1,0 globalen Hektar. 

Über ein Drittel des deutschen ökologischen Fußabdrucks macht die Ernährung aus, davon 80% tierische Lebensmittel. Bezüglich der Wohnsituation sorgt besonders das Heizen für eine negative Energiebilanz. Auch unser übersteigerter Konsum und die Nutzung von nicht umweltfreundlichen Verkehrsmitteln beeinflusst den ökologischen Fußabdruck der Deutschen. 

Besonders anschaulich zeigt der sogenannte Earth Overshoot Day unsere „Überschuldung“. Er markiert den Tag im Jahr, an dem theoretisch alle verfügbaren Ressourcen, die für das Jahr verplant werden könnten, bereits verbraucht sind. Im besten Falle stimmt dieser Tag mindestens auch mit dem Ende des Jahres überein. Im Jahr 2020 lag dieser Tag jedoch schon auf dem 22. August. Der früheste Earth Overshoot Day war im Jahr 2019 – da hatten wir schon am 29. Juli theoretisch alle Bioressourcen verbraucht.

Doch wie wirkt sich die Überschuldung unseres ökologischen Buchhaltungssystem langfristig aus? Man kann schon jetzt Effekte beobachten – wie zum Beispiel, dass die Fischbestände in den Meeren nahezu aufgebraucht sind. Und so könnte es sich langfristig mit allen natürlichen Ressourcen verhalten. Während die Seite der Nachfrage auf dem gleichen Niveau bleibt oder sogar steigt, sinkt das Angebot immer weiter, sodass wir uns immer mehr „verschulden“

Eine Schildkröte schwimmt in klarem Wasser - unser ökologischer Fußabdruck sorgt dafür, dass ganze Ökosysteme aussterben
Foto: Belle Co

Den ökologischen Fußabdruck beeinflussen

Generell kann jeder seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck verringern. Dafür wäre es nötig, seinen Energie- und Wasserverbrauch zu verringern, seine Ernährung auf möglichst regionale, saisonale und pflanzliche Lebensmittel umzustellen, nachhaltiger zu reisen, seinen Konsum und seine Müllproduktion zu verringern. Wir haben dir HIER ein paar Tipps zusammengestellt, mit denen du schon durch kleine einfache Schritte nachhaltiger leben kannst.

Unser eigener ökologischer Fußabdruck ist aber nur ein Teil der Gleichung. In Deutschland wird zu jedem persönlichen Abdruck noch pauschal ein Betrag von 0,9 globalen Hektar hinzugefügt. Dieser Wert steht im Allgemeinen für die Infrastruktur in Deutschland. Und um diesen beeinflussen zu können, müsste sich im Rahmen einer Energie-, Agrar- und Mobilitätswende noch sehr viel tun. Wenn wir uns dafür einsetzen und somit nicht nur unseren ökologischen Fußabdruck verringern, sondern gleichzeitig unseren politischen Handabdruck vergrößern, können wir eine nachhaltige Wirkung erzielen. 

https://www.myclimate.org/de/informieren/faq/faq-detail/was-ist-ein-oekologischer-fussabdruck/

https://www.fussabdruck.de/oekologischer-fussabdruck/ueber-den-oekologischen-fussabdruck/

https://www.bundjugend.de/oekologischer-fussabdruck/

https://reset.org/act/dein-oekologischer-fussabdruck-co2-footprint

https://data.footprintnetwork.org/?_ga=2.238733056.1227563956.1607525128-1747221534.1607525128#/