Newsroom

Was ist Lichtverschmutzung?

7. April 2021 Lesezeit ca. 4 Min.
Hell erleuchtete Stadt in der Nacht - die Lichtverschmutzung nimmt weltweit zu

Was ist Lichtverschmutzung?

6 min Lesezeit
Reading Time: 4 minutes

Was siehst du, wenn du nachts in den Himmel schaust? Kannst du nur ein paar Sterne sehen, einen vollen Sternenhimmel oder sogar die Milchstraße? Als im Jahr 1994 ein Erdbeben in Los Angeles dafür sorgte, dass der Strom ausfiel, gingen in der Nacht unzählige Notrufe ein. Sie berichteten von einer riesigen silberfarbenen Wolke – die Sichtbarkeit der Milchstraße war für viele Menschen dort ein bisher unbekanntes Phänomen. Die Ursache dafür, dass wir besonders im urbanen Raum immer weniger vom Sternenhimmel sehen, ist die sogenannte Lichtverschmutzung.

Der Begriff bedeutet allerdings nicht, dass unser Licht verschmutzt ist, sondern die Verschmutzung der natürlichen Dunkelheit durch künstliches Licht. Ob erleuchtete Fenster, Straßenlaternen oder Leuchtreklame – das Licht ist aus unseren Nächten nicht mehr wegzudenken. Studien zufolge wird die Welt jedes Jahr rund 2% heller. Mehr als 80% der Weltbevölkerung leben bereits unter lichtverschmutztem Himmel. Doch der Fakt, dass viele Menschen noch nie die Milchstraße gesehen haben, ist leider nicht die dramatischste Konsequenz der Lichtverschmutzung. Alles Leben auf der Erde ist an den Rhythmus von Tag und Nacht angepasst und so hat die Lichtverschmutzung auch weitreichende ökologische Konsequenzen.

Macht die Lichtverschmutzung uns Menschen krank?

Generell sorgt das Licht für ein Gefühl der Sicherheit in der Nacht. Zudem bewirkt das kaltweiße Licht von LED-Technik, dass wir uns beispielsweise bei der Arbeit wacher fühlen. Doch genau das wird abends zum Problem. Das Licht von Fernsehern, Handys und Co. haben auf unseren Körper dieselbe Wirkung wie Tageslicht und lässt ihn daher nicht zur Ruhe kommen. Dies sorgt nicht nur dafür, dass wir schlechter einschlafen, sondern macht den Schlaf allgemein unruhiger und weniger tief. Dadurch wird die Ausschüttung des Hormons Melanin gehemmt, welches unserem Körper die Erholung und Regeneration erlauben soll. Wenn durch die zunehmende Lichtverschmutzung die Nacht zum Tag gemacht wird, kommt also auch unser Rhythmus aus dem Gleichgewicht. Unter Umständen kann dies zu chronischen Schlafstörungen und einer geringen Stresstoleranz führen. Es gibt sogar einen Zusammenhang zu Depressionen und Burn-Out.

Ein Sternenhimmel mit Milchstraße über einem Wald - durch die Lichtverschmutzung oft unsichtbar

Einfluss der Lichtverschmutzung auf Insekten und Pflanzen

Ähnlich wie der menschliche Körper haben auch Pflanzen Probleme, das kaltweiße LED-Licht vom Tageslicht zu unterscheiden. Beispielsweise verlieren Laubbäume im Herbst zu spät ihre Blätter, weil die Lichtverschmutzungen ihnen noch den Sommer vorgaukelt. Bei einem Kälteinbruch ist der Baum also nicht vorbereitet und kann Frostschäden erleiden. Zudem hat eine Studie aus dem Jahr 2017 gezeigt, dass von Straßenlaternen beleuchtete Pflanzen seltener bestäubt werden. Dies liegt daran, dass die nachtaktiven Insekten durch das künstliche Licht irritiert werden und so als Bestäuber wegfallen.

Das künstliche Licht hat außerdem eine Anziehungskraft auf die meisten nachtaktiven Insekten. Vermutlich hat jeder schon die großen Insektenscharen gesehen, die nachts um eine Straßenlaterne kreisen. Eigentlich orientieren sie sich am Mond, doch die künstlichen Lichter lenken sie davon ab. Sie können sich nicht gegen die evolutionär bedingte Anziehung wehren und kreisen bis zur völligen Erschöpfung oder sogar bis zum Tod um das Licht. Schätzungen zufolge sterben so allein in Deutschland jeden Sommer bis zu 100 Milliarden Insekten.

Auswirkungen auf Vögel

Die erleuchtete Nächte bringen auch Vögel aus ihren natürlichen Rhythmus. Singvögel fangen bis zu anderthalb Stunden früher an zu singen am Morgen. Eine Beobachtung von Blaumeisen zeigte, dass sie früher im Jahr mit dem Brutgeschäft beginnen. Dies ist kritisch für den Nachwuchs, weil gegebenenfalls noch nicht genug Nahrung verfügbar ist. Hinzu kommt, dass Vögel die Nacht eigentlich dazu nutzen, um ihre Körpertemperatur und so ihren Energieverbrauch runterzufahren. Diese Einsparungen sind im Winter überlebenswichtig. Durch die Lichtverschmutzung bleibt der Energieverbrauch hoch und das Überleben in kalten Winternächten ist gefährdet.

Besonders kritisch ist das künstliche Licht auch für Zugvögel. Da diese meist nachts ziehen, orientieren sie sich eigentlich an den Sternen. Daher lassen sie sich häufig von erleuchteten Fenstern oder durch Leuchttürme irritieren. Besonders bei schlechter Sicht werden die Tiere geblendet oder angelockt und kollidieren gegebenenfalls mit Gebäuden. So fallen Umweltschützern zufolge allein in Toronto am Ontario See zehntausende Zugvögel jedes Jahr den Glasfassaden der umliegenden Hochhäuser zum Opfer.

Hell erleuchtete Stadt - die Lichtverschmutzung macht die Sterne unsichtbar

Wie machen wir die Nacht wieder zur Nacht?

Die gute Nachricht zuerst: Die Lichtverschmutzung zu reduzieren bedeutet nicht, dass wir alle Lampen abbauen und wieder in das finstere Mittelalter zurückkehren müssen. Vielmehr sollten wir das Licht effizienter und schonender einsetzen. Beispielsweise durch die vermehrte Nutzung von Straßenlaternen mit gelb oder gelborange leuchtenden Lampen. Diese irritieren Pflanzen und Tiere deutlich weniger als die kaltweißen Lichter. Wenn die Lampen obendrein nach unten gerichtet und oberhalb begrenzt sind, ist die Straße hell erleuchtet, während der Nachthimmel dunkel bleibt. Da die Lichtverschmutzung natürlich nicht nur von Straßenlaternen abhängt, muss es allerdings auch behördliche Maßnahmen bezüglich Leuchtreklame, Sportplätze und Co. geben, um einen signifikanten Unterschied zu machen. So hat beispielsweise die Stadt Fulda als erste deutsche Sternenstadt eine Nachtschutzbeauftragte, welche unnötige oder ineffiziente Lichtquellen identifizieren und verbessern soll.

Natürlich kannst du auch im privaten Bereich dazu beitragen, dass die Lichtverschmutzung eingedämmt wird. Am einfachsten ist natürlich der Rat, nur da Licht brennen zu lassen, wo es auch gebraucht wird. Insbesondere im Außenbereich wie im Garten sollte man möglichst darauf achten, wenn überhaupt nur insektenschonende Leuchtmittel einzusetzen. Auch Bewegungsmelder können helfen, unnötige Lichtverschwendung zu vermeiden. Ganz nebenbei sparst du dadurch sogar Stromkosten und reduzierst deine CO2-Emission. Zudem wirst du überrascht sein, wie beruhigend echte Dunkelheit und ein Blick in einen Himmel voller Sterne sein kann.

http://www.lichtverschmutzung.de

https://www.br.de/wissen/lichtverschmutzung-lichtsmog-licht-nacht-himmel-milchstrasse-tier-led-hell-102.html

https://www.bund-sh.de/stadtnatur/lichtverschmutzung/

https://www.dw.com/de/lichtverschmutzung-dunkelheit-nacht-künstliches-licht-gesundheit-klimawandel-insekten-tiere/a-56142984

https://www.lbv.de/ratgeber/naturwissen/lichtverschmutzung/

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/lichtverschmutzung-so-schaedlich-ist-beleuchtung-fuer-die-umwelt-a-507689a7-7d34-484a-8e18-4aeefde4336b

https://www.kosmos.de/content/buecher/ratgeber/astronomie/lichtverschmutzung/

https://www.umweltberatung.at/lichtverschmutzung

https://www.bmk.gv.at/themen/klima_umwelt/naturschutz/vielfaltleben/gemeindenetz/tipps/lichtverschmutzung.html

https://www.nabu.de/wir-ueber-uns/infothek/mitgliedermagazin/archiv/06891.html