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Was sind Weichmacher und wie vermeide ich sie?

10. Juni 2021 Lesezeit ca. 3 Min.
Kinderspielzeug am Strand - die meisten Produkte aus Kunststoff enthalten Weichmacher

Was sind Weichmacher und wie vermeide ich sie?

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Der Begriff „Weichmacher“ löst in vielen Menschen direkt eine negative Assoziation aus und wir denken automatisch an gesundheitsschädliches Kinderspielzeug. Generell haben diese Phthalate den Zweck, spröde Materialen weich, biegsam oder dehnbar zu machen. Es handelt sich um Massenchemikalien, von denen allein in Westeuropa jährlich rund eine Million Tonnen produziert werden. Sie begegnen uns in den meisten Kunststoffprodukten und sogar in Deos, Lacken, Klebstoffen und Kabeln. Dabei gibt es viele unterschiedliche Weichmacher. Sieben davon wurden von der Europäischen Union als besonders gefährlich klassifiziert und für die Verwendung bestimmter Produkte verboten. Doch was gibt es für Weichmacher und wie gesundheitsschädlich sind wie wirklich?

Unterschiedliche Weichmacher und ihre Verwendung

Um bestimmte Materialeigenschaften zu erreichen, werden oft verschiedene Weichmacher kombiniert. Die häufigsten sind dabei folgende:

  • Di-isodecylphthalat (DIDP)
  • Di-isononylphthalat (DINP)
  • Di(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP)
  • Dibutylphthalat (DBP)
  • Di-isobutylphthalat (DIBP)
  • Benzylbutylphthalat (BBP)
  • Di(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP)

Besonders DEHP hat in der Vergangenheit vermehrt für Schlagzeilen gesorgt. Es gilt als fruchtbarkeitsschädigend und ist beispielsweise in Kinderspielzeug in der EU verboten. Es ist der Weichmacher für PVC und ist bis heute noch in vielen Alltagsgegenständen und in zahlreichen Medizinprodukten enthalten. In Westeuropa gelten derzeit DINP und DIPD als am meisten verwendete Phthalate. Sie sind nicht kennzeichnungspflichtig und werden hinsichtlich ihrer Wirkung als weniger gesundheitsschädlich beurteilt.

In unserem Alltag finden wir Weichmacher in Gegenständen aus Kunststoff, Fußbodenbelägen, Tür- und Fensterdichtungen, Kabeln oder in Bestandteilen von Möbeln. Auch viele Lebensmittel sind mit Weichmachern belastet. Dies liegt daran, dass Phthalate nicht fest gebunden sind und so bespielsweise von Plastikverpackungen auf die Lebensmittel übergehen können. Obwohl DEHP mittlerweile in Kinderspielzeug verboten sind, kann es in älteren Spielzeugen oder vereinzelt in Importprodukten enthalten sein.

Obst und Gemüse in Plastik verpackt - von Verpackungen können Weichmacher auf Lebensmittel übergehen
Foto: Karolina Grabowska

Gesundheitliche Risiken durch Weichmacher

Die Weichmacher gehen nicht nur auf Lebensmittel über. Sie werden ausgedünstet und sind dadurch auch im Hausstaub enthalten. Sogenannte kurzkettige Phthalatester können über die Haut aufgenommen werden. Zudem nehmen Babys und Kleinkinder viele Gegenstände in den Mund und nehmen so tendenziell mehr Weichmacher auf als Erwachsene. Stichprobenartige Urinproben im Rahmen des Kinder-Umwelt-Surveys des UBA zeigten, dass sich im Zeitraum 2003 bis 2006 in nahezu allen Proben Abbauprodukte von Phthalaten nachweisen ließen.

Die Phthalate DEHP, DBP und BBP wurden von der EU als fortpflanzungsgefährdend eingestuft und sind seit 2005 in Babyartikeln und Kosmetika generell verboten. In Tierversuchen wirkte sich DPHP schädigend auf auf lebenswichtige Hormondrüsen, die Schilddrüse und die Hirnanhangsdrüse aus. DINP und DIDP haben toxische Auswirkungen auf die Leber. Allerdings gelten sie allgemein als weniger bedenklich, da die tolerierbar Aufnahmemenge höher ist. Dabei ist zu beachten, dass es für jeden Weichmacher unterschiedliche gesetzlich festgelegte Grenzwerte gibt, um die Gesundheit zu schützen. Dennoch sollte man die Aufnahme im Alltag weitestgehend vermeiden.

Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass jeder ein Recht auf Information über die Verwendung von Weichmachern hat. Obwohl sie nicht kennzeichnungspflichtig sind, kann also jeder beim Hersteller nachfragen. Dieser muss dann innerhalb von 45 Tagen Auskunft darüber geben, ob das Produkt mehr als 0,1 Prozent einer Substanz von der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe enthält.

Wie kann ich Phthalate umgehen?

Da Erwachsene Phthalate meist über Lebensmittel aufnehmen, sollte man besonders hier auf Plastikverpackungen verzichten. Dies ist zusätzlich auch aus Umweltgründen empfehlenswert. Am Einfachsten geht das auf Wochenmärkten, in Unverpackt-Läden oder an Frischetheken. Auch im Supermarkt kannst du durch den Verzicht auf Fertigprodukte viele Plastikverpackungen vermeiden und sorgst durch frische Produkte ganz nebenbei für eine gesündere Ernährung.

Unlackierte Holzspielzeuge sind für Kinder nicht nur gesünder, sondern auch langlebiger. Um zusätzlich die Aufnahme durch Hausstaub einzudämmen, sollte man regelmäßig Saugen. Da es auch genug Bodenbeläge gibt, die ohne PVC auskommen, solltest du beim Renovieren lieber auf solche umweltfreundlichen Alternativen setzen. Generell wirst du in deinem Alltag vermutlich nie komplett auf Weichmacher verzichten können. Wenn du aber weitestgehend Kunststoff da umgehst, wo es möglich ist, kannst du zumindest gesundheitsschädliche Mengen verhindern.

https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/chemische-stoffe/weichmacher#was-sind-weichmacher

https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/chemische-stoffe/weichmacher/haeufige-fragen-zu-phthalaten-bzw-weichmachern#was-sind-phthalate-wozu-dienen-sie

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/wohnen/gefahren-fuer-die-gesundheit-durch-plastik-7010

https://utopia.de/ratgeber/weichmacher-wo-die-stoffe-stecken-und-weshalb-sie-gefaehrlich-sind/

https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Gefaehrliche-Weichmacher-Plastik-im-Alltag-vermeiden,weichmacher136.html

https://www.bund.net/themen/chemie/hormonelle-schadstoffe/phthalat-weichmacher/